Werkeln und wursteln – das ist Demokratie
Die Axel-Springer-Akademie zu Gast bei der Bundesstiftung für Aufarbeitung
Was ist eigentlich Demokratie? Als mündiger Bürger am politischen Leben teilhaben zu können? Ein Synonym für Freiheit? Oder ist Freiheit nur der Weg dahin – das Ziel etwas ganz anderes? Eine allgemeingültige Definition konnten selbst Experten bei der Podiumsdiskussion „Der Wert der Freiheit. Diktatur vs. Demokratie“ nicht geben. Einigen konnten sie sich lediglich darauf: Demokratie ist nichts Selbstverständliches.
Gemeinsam mit dem Bundespräsidenten hatte die Bundesstiftung für Aufarbeitung an diesem Tag zur Auftaktveranstaltung der Gesprächsreihe „Vergangenheit erinnern – Demokratie gestalten“ geladen. Die Besonderheit: Sie sollte sich vor allem an die so genannten „zukünftigen Mittler“ richten – Journalistenschüler, Rechtsreferendare und Studierende – die, so der Gedanke der Veranstalter, die Werte der Demokratie künftig in der Gesellschaft verankern sollen.
„Wir wollen Interessierten und Multiplikatoren Argumente an die Hand geben, mit denen sie schlichten Geschichtsbildern oder Legenden etwas entgegen setzen können“, betonte Christian Wulff zu Beginn der Veranstaltung. Denn die Verklärung der SED-Diktatur könne nur verhindert werden, wenn die Herausforderung angenommen wird, sich für die Demokratie einzusetzen.
Es sollten also gerade die zuhören, die „die gebrochene Geschichte der Deutschen im vergangnen Jahrhundert“, nicht als Zeitzeugen bewusst wahrgenommen haben, sondern auf die Berichte anderer angewiesen sind.
Auf dem Podium waren hingegen lediglich Zeitzeugen vertreten: Die Politikerin Cornelia Schmalz-Jacobsen, Rainer Eppelmann, Minister a.D. und ehemaliger DDR-Oppositioneller, der Zeithistoriker Paul Nolte, der DDR-Bürgerrechtler Andreas Schönfelder und die Ungarin Zsuzsa Breier, Botschafterin des europäischen Gedankens. Alle hatten die Auswirkungen des Kalten Krieges hautnah miterlebt und waren nun mit der Intention gekommen, der jungen Generation etwas von ihrem Demokratieverständnis nahe zu bringen.

Cornelia Schmalz-Jacobsen, Politikerin – und Rainer Eppelmann, ehem. DDR-Oppositioneller
Wie man sich für Demokratie einsetzt – und ob das überhaupt gelingen kann, wurde daraufhin in den folgenden 45 Minuten diskutiert. „Demokratie ist nicht vererbbar, sondern jede Generation muss sie wieder neu erlernen und darf sich nicht darauf ausruhen, dass alles schon für sie eingerichtet wurde“, sagte Zsuzsa Breier. Auch der Historiker Paul Nolte betonte: „Demokratie ist werkeln und wursteln und zwar mit einer Perspektive und der Frage: Wo soll es hin gehen?“

Zsuzsa Breier, Botschafterin des europäischen Gedankens
Egal, ob es nun an den anspruchsvollen Fragen des Moderators oder an den meist ausschweifenden Antworten der Teilnehmer lag: Wie das mit der Demokratie nun funktionieren soll und in welcher Weise junge Menschen sich für den Erhalt einsetzen müssen – das wurde nur auf einer Meta-Ebene beantwortet. Viel Input, wenig Ansatzpunkte für kontroverse Debatten – was vielleicht auch daran lag, dass die junge Generation bei der Hauptdiskussion nicht vertreten und später einfach erschlagen war von dem Fachwissen der Experten und der Theorielastigkeit der Diskussion. Eine Antwort auf die Frage, ob Demokratie vererbbar ist, konnte auf der Veranstaltung nicht gefunden werden. Was bleibt ist der Eindruck, dass vielleicht doch jede Generation auf seine Weise mit dem Thema umgehen muss.
Laura Fölmer
Autor: student Kategorie: A bis Z | Keine Kommentare »

