Info-Snacks
Eine wirklich große Überraschung ist das nicht: Mobiles Internet wird hauptsächlich zur Drive Time genutzt – der Zeit also, die zumindest bisher noch das Autoradio als Leitmedium kennt.

Nutzung des mobilen Internet via Smartphone (Quelle: TomorrowFocus, Jan. 2011)
Schon heute sind journalistische Online-Angebote auf diesen letzten Nutzungs-Peak des Tages ausgerichtet, mit der neuen Distributionsform journalistischer Apps dürfte der Trend zum Info-Snack noch zunehmen: Eine orchestrierte, personalisierte Info-Show, passgenau zusammengestellt und getimed für den Weg in den Feierabend. Dabei haben Medienhäuser mindestens zwei Dinge zu beachten:
1) Die mobile Mediennutzung wird neue Standards in der Erwartungshaltung der Leser/User setzen, gekennzeichnet durch den Dreiklang: Individualisierung, Interaktivität und Kontext.
Der User will genau die Inhalte, die für ihn relevant sind. Er will das aber nicht mühsam selbst festlegen, sondern setzt diese Kontextualisierung als Service voraus. In der Endstufe der Entwicklung reicht ein Login auf dem Smartphone, um das komplette Nutzerprofil zu setzen und automatisiert abzurufen.
Interaktivität ist gleichzeitig der Mehrwert, an dem Monetarisierung beginnen kann. Wenn das Smartphone zum allgegenwärtigen Lebens-Navigator wird, ist der Nutzer auch bereit, Servicegebühren an die Anbieter zu bezahlen, die ihren Job am besten und vertrauenswürdigsten erledigen:
- Grippewelle droht – mein Smartphone sagt mir, ob ich persönlich mich impfen lassen sollte und wenn ja, wo ich das genau jetzt mit wenig Wartezeit tun kann, wenn ich mich sofort einchecke.
- Milch ist alle (meldet der Kühlschrank via Funkchip): Wo die Milch dioxinfrei und günstig ist, weiß meine GPS-gestützte Life-App.
Zwei beliebige Beispiele (die um den Begriff “Couponing” zu ergänzen wären), die belegen: die (mobile) Zukunft von Medienhäusern heißt zunehmend auch paid service, nicht mehr nur paid content.
2) Lasst den Menschen Zeit! Die Wachstumsdynamik von Mobile Media ist faszinierend, aber es sind reine Zahlenreihen. Dahinter stehen (okay, Binsenweisheit): Menschen. Individuelle Nutzer. Es dauert, bis sich neue, mobile Medienrituale etabliert haben werden. Damit sollten Medienhäuser auch einen längeren Atem haben, trial and error richtig pflegen und nicht zu früh die Pferde scheu machen.
Und wem das zu skeptisch klang: Das Gegenteil war gemeint.
„Nichts ist so mächtig wie eine. Idee deren Zeit gekommen ist.“ (Victor Hugo)
Autor: amayer Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | Keine Kommentare »
