22.7.2010

Und wieder ein neues Berufsfeld: iPad – Screenplay

Die Aufforderung unseres CEO ist hinlänglich bekannt und erschütterte die andersgläubigen Kollegen nachhaltig: Jeder Verleger solle sich einmal am Tag niedersetzen, beten und Steve Jobs dafür danken, dass dieser mit dem iPad die Verlagsindustrie rette, forderte Mathias Döpfner.

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Browser-Adaption reicht nicht. Journalismus auf dem iPad muss inszeniert werden.

Ich würde meinem Boss niemals widersprechen, daher stelle ich lieber gleich die Frage, was wir außerhalb der Gebetszeiten mit dem iPad anstellen sollten. Schon vor einiger Zeit appellierte Telekom-Vorstandschef René Obermann an die Verlage, neue redaktionelle Inhalte für Mobile zu entwickeln. Auch das iPad ist bisher eine Hightech-Bühne mit lückenhaftem Spielplan.


Es ist wichtig, dass sich DIE WELT so frühzeitig und mutig platziert hat. Und mit Iconist sammeln wir weitere Erfahrungen. Die entscheidende Frage lautet: Wie entwickelt man Inhalte für ein Medium, das eine völlig neue Kombination aus Inszenierung und Nutzungskontext schafft?

Um beim Beispiel der Bühne zu bleiben, die das iPad darstellt: Wir benötigen künftig Journalisten, die Drehbücher schreiben können. iPad-optimierte Inhalte zeichnet aus, dass sie durchkomponiert sind. Wie BILD-Vordenker Michael Paustian aus der iPad-Entwicklungsredaktion erklärt: “Das Produkt muss einen Anfang und ein Ende haben.”


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Es muss ein haptisches, emotionales Erlebnis sein, die journalistischen Inhalte zu nutzen. Das Storytelling verlangt eine Dramaturgie, die sich dem Trägermedium anpasst. Es ist wichtig, dass es neue Angebote wie Flipboard gibt, denn sie erfüllen durch Navigation und Personalisierung Service-Pflichten, die auch Aufgabe von Journalisten sind. (Dafür stand z.B. auch das Crossmedia-Projekt TISA von Team 7.)

Aber: Daneben muss es auch integrierte journalistische Produkte geben, die beispielsweise Magazinjournalismus neu leben, mit den Möglichkeiten der Interaktion spielen, Location Based Services nutzen. Das iPad ist ein (verdammt) teures mobiles Endgerät. Es verdient ebenso edle Produkte als Resultat journalistischer Qualitätsarbeit.

Der kreative Prozess wird wieder eine neue Facette des Journalismus hervorbringen: den Experten für iPad-Screenplay. Wir brauchen Redakteure, deren Leidenschaft weit genug reicht, um iPad-User süchtig zu machen.

Ps.: Ich danke ebenfalls: meinem Kollegen Frank Diering für das Sparring zu diesem Beitrag. (Ich knie aber nicht nieder.)

Pps. (26.07.): Céline Lauer (Team 5) hat Recht mit dem Hinweis, dass an dieser Stelle auch Gundolf S. Freyermuth erwähnt werden sollte:

Papier setzt dem Wissenstransfer, zwischenmenschlicher Kommunikation und dem Erzählen von Geschichten genauso enge Grenzen wie das System der analogen elektronischen Massenmedien. Für die Ansprüche, die sich an den digitalen Online-Medien geschult haben, erweisen sich die analogen (Massen-) Medien seit einiger Zeit als zu langsam, zu standardisiert, zu wenig interaktiv, zu unpersönlich. Die Gestalt einer neuen digitalen Zivilisation wird daher entscheidend von innovativer Kultur-Software abhängen, die diese medientechnisch nunmehr aufgehobenen Grenzen auch medienästhetisch überschreitet – in der Entwicklung neuer Interfaces, neuem Design, neuen Narrationsweisen, neuen Varianten von Literatur und Bildender Kunst, Film und Spiel.

Hiermit geschehen. Und mehr von ihm gibt es hier.

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Autor: amayer Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | Kommentare deaktiviert

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