15.12.2009

GASTBLOG: Mobile Web mit diesen Geräten?

Gibt’s eigentlich irgendeine App, die es noch nicht gibt?  Spätestens, seit das iPhone existiert, ist das Handy nicht mehr einfach nur ein Handy. Es ist Computer, Fernseher, Radio und persönlicher Assistent; alles auf einmal, nur in klein. Was länge also näher, als ein Handy endlich auch als vollwertige Abspielstation journalistischer Inhalte zu akzeptieren?

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Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Handy, das wenigstens ein bisschen  mehr war als ein Gerät zum Telefonieren und simsen. Es war ein Nokia N95 und galt, es ist gerade mal drei Jahre, damals als ein technisches Wunder. Es konnte Videos ganz passabel darstellen, ebenso wie Websites. Mails lasen sich halbwegs angenehm auf dem Gerät und alles in allem hatte ich zum ersten Mal den Eindruck, dass hier auch Platz für journalistische Inhalte sein könnte, die etwas umfassender sind als ein paar wenige Zeichen.

Und was ist ein solches N95 für ein trauriges Gerät, wenn man es mit den Möglichkeiten heutiger Smartphones vergleicht: Heute reden wir von einem vollwertigen Begleiter durch den Tag und auch nicht mehr von einem Gimmick für Freaks. Als ich mich am Sonntag abend in einer Trattoria in München mit ein paar lieben Freunden traf, war keiner dabei, der nicht irgendso ein Ding in der Tasche hatte (gut, ich geb’s zu, es waren viele Medienmenschen in der Runde). Also schaut man sich, wenn’s denn schon so schön und komfortabel geht, auch mal ein paar Webseiten oder ein Video an, man informiert sich, man lässt sich unterhalten. Alles prima, und dennoch: Wenn mobile Medien wirklich das große Ding werden sollen, von dem momentan alle reden, sind iPhone und Epigonen nur bedingt die Endgeräte, die es braucht. Handy bleibt dann halt doch Handy und so richtig wachsen kann es vermutlich nicht mehr, weil man ja dann doch irgendwann vielleicht auch mal telefonieren will.

Richtig spannend wird es erst, wenn es Geräte geben wird, die beides sind: von einer komfortablen Größe, die Lesen und Zuschauen dann doch zum Genuss machen – und dennoch kompakt genug, dass man sie bequem mitnehmen kann. Von einem “Riesen-iPod” hat die Szene mal halb Spaß, halb Ernst gesprochen. Und tatsächlich: So etwas dürfte es irgendwann im Frühjahr mal geben.

Es wird nicht “Riesen iPod” heißen und Apple wird mit einiger Sicherheit auch nicht der einzige Anbieter sein. Dennoch könnten so genannte “Tablet PCs” für journalistische Angebote genau die richtige Plattform sein. Dort ließe sich so ziemlich alles darstellen:  Zeitungen in ihrem Original-Layout, E-Mags, klassisches Internet, Audio, Video, Animation. Und nicht zu vergessen: Bücher.

Wer also in den kommenden Wochen über den Kauf eines E-Book-Readers nachdenkt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass möglicherweise bald noch etwas sehr viel Aufregenderes passiert. Und Apps? Ja, die kann ein solches Tablet ganz, ganz sicher auch prima verarbeiten.

Prognose heute: In ein paar Monate wird es Bilder von langen, sehr langen Warteschlangen geben.

Christian Jakubetz

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Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | Kommentare deaktiviert

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