22.9.2009

GASTBLOG: Interaktives Storytelling

Immer dann, wenn man über multimediales Storytelling reden will, erntet man in Deutschland eher ratlose Blicke. Die, die sehr viel auf sich halten, murmeln noch irgendwas von Flash. Für die allermeisten hingegen beschränken sich die multimedialen Geschichten schon darauf, dass man an eine Geschichte noch ein Video hängt – fertig ist Multimedia. Das ist (leider) typisch deutsch, während man andernorts eindeutig weiter ist.

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Multimedia ist eine schwierige Angelegenheit. Wenn man in einer Redaktion den Vorschlag eines solchen Moduls einwirft, wird man neben dem reflexartigen „Flash“ sofort auch der Einwand kommen, dass Flash langwierig, zeitaufwendig und komplex sei und somit letztendlich nur eingeschränkt umsetzbar. Davon abgesehen, dass Flash auch noch einige andere gravierende Nachteile mit sich bringt, ist das ein entscheidendes Argument dafür, Flash eher selten einzusetzen.

Inzwischen allerdings (und eine Leichtathlethik-WM später) wächst die Erkenntnis, dass sich speziell im Gebiet des multimedialen, interaktiven Erzählens gerade eine Menge tut. Der Trend kommt (wie fast immer) aus den USA, was vermutlich auch damit zu tun hat, dass wir in Deutschland gerade dabei sind, den Anschluss an die Digitalisierung etwas zu verpassen, aber das nur nebenbei. Jedenfalls (und warum auch immer) sind dort in der jüngsten Zeit ziemlich viele großartige Applikationen entwickelt worden, die ein paar Dinge gemeinsam haben: Sie sind extrem einfach zu handhaben, erfordern keine allzu tief gehenden technischen Grundkenntnisse und Fähigkeiten, sie sind webbasiert – und sie sind kostenlos. Timelines, interaktives Erzählen, Audios, Fotos, Text und Videos in einer Geschichte, nutzerfreundlich gestaltet, in ansprechenden Layouts – was man bis vor wenigen Monaten noch für ein schwer zu erzielendes Resultat harter Arbeit von Computernerds betrachtet hätte, ist inzwischen ein relativ einfach zu erzielendes Ergebnis.

Spätestens jetzt allerdings, wo wir es nicht mehr auf komplexe Technik, unverhältnismäßig Aufwand oder andere äußere Störfaktoren schieben können, wird es Zeit für uns Journalisten, uns Gedanken darüber zu machen, wie wir solche Geschichten erzählen wollen. Bemerkenswert übrigens am Rande, dass es in Deutschland zu diesem Thema bisher keine einzige Publikation, keine Webseite von Relevanz gibt (so viel zu der Befürchtung, dass wir den Anschluss verlieren). Anders hingegen in den USA: Gute Tutorials sind mit nur ein bisschen Suche leicht zu finden. Und einen wirklich großartigen Überblick darüber, wer was in der Praxis gemacht hat (im Übrigen: nahezu täglich erneuert), gibt es auch: http://interactivenarratives.org/.

Christian Jakubetz

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z | Kommentare deaktiviert

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