GASTBLOG: Am virtuellen Lagerfeuer
Das Schöne daran, dass die Sender mittlerweile viele ihrer Inhalte online stellen (zumindest für eine Weile) ist das virtuelle Lagerfeuer, das dadurch entfacht wird. Wir erinnern uns: Früher saßen die Menschen häufig gemeinsam – oder wenn das nicht, dann immerhin zur selben Zeit – vor den Fernsehern und sahen Sendungen, über die dann am nächsten Tag vorzüglich in der Schule, am Arbeitsplatz, beim Einkaufen etc. getratscht werden konnte.
Heute ist das ja bekanntlich alles anders, weil jeder sich durch hunderte Kanäle zappen kann.
“Hat einer von euch gestern auch ‘Im Körper der Topathleten’ bei arte gesehen?”, fragt man dann etwa morgens, darauf hoffend, dass sich zumindest einer finden wird, mit dem man in Erinnerungen schwelgen kann – meist vergeblich.
Doch Nicht-gesehen-Haben bedeutet mittlerweile nicht mehr, dass das Gemeinschaftserlebnis nicht doch noch stattfinden kann. Ja besser noch: Wir können gelassen Sendungen an uns vorbeirauschen lassen und müssen dennoch nicht fürchten, das Beste verpasst zu haben. Denn wenn jemand irgendwo irgendwas gesehen hat, das sich zu sehen lohnt: ein paar Klicks führen uns immer öfter zum gewünschten Ziel.
Auch Kurioses wird so in Windeseile herumerzählt und nach-gesehen, bis alle das Gefühl haben, das früher an einen Zeitpunkt gebunden war: Wir waren dabei. Oder ist irgendjemandem die Geschichte um ZDF-Moderator Klaus Kleber entgangen, den die neue Sitzposition im neuen Studio zum Bauch-Blitzer verleitete? Oder hat irgendjemand nicht mitbekommen, dass die “Tagesschau” Bundespräsident Horst Köhler zum Klaus gemacht hat?!
Für die Sender bedeutet das nicht nur, dass Fehler ihnen mehr als je zuvor unter die Nase gerieben werden können, sondern natürlich auch, dass sie ein neues Publikum bekommen, das sich weder an Sendezeiten hält, noch als Werbekunde brauchbar ist. Andererseits haben dadurch manche Sendungen überhaupt erstmal nennenswerte Zuschauerzahlen. Nun müssen die Verantwortlichen nur noch herausbekommen, wie sich diese nutzen lassen. Womit wir beim leidigen Thema Geschäftsmodell für Onlineangebote wären, das derzeit wie eine Sau durchs Dorf getrieben wird. Paid Content, Bezahlinhalte, seien (wieder) nötig, heißt es allenthalben. Da lohnt sich doch der ernüchternde Blick in eine EU-Studie über “Europas digitale Konkurrenzfähigkeit”: Weniger als fünf Prozent der Internet-Nutzer in Europa haben bisher je für Internet-Inhalte gezahlt, heißt es dort.
Domenika Ahlrichs
Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 1 Kommentar »

Am 18. August 2009 um 15:17 Uhr
Meiner Meinung nach überwiegen die positiven Aspekte – schließlich kann man auch im Nachhinein noch auf Dinge zugreifen – was für uns Journalisten leider auch die Folge hat, dass sich nichts mehr so schnell “versendet”… Zu “Paid Content”: Wenn, dann müssen das alle großen deutschen Webportale machen. Nur dann wird das meiner Einschätzung nach von den mit Gratis-Content verwöhnten Usern akzeptiert.