Ein Gespräch unter Kollegen
Unser jüngstes Studium generale können wir unbescheiden als Erfolg bezeichnen, mehr noch, wir haben einen Scoop gelandet: Der berühmte Fotoreporter Robert Lebeck hat unser Team vor dem Verlagsgebäude aufgenommen.

Der “Bildjournalist” bei der Arbeit: Robert Lebeck fotografiert Team 6 (Foto: Spahl)
Es war der Schlusspunkt eines ereignisreichen Tages, der für uns mit einer Fotoschule begann und mit der Begegnung mit einer Legende endete.
Sich selbst bezeichnet Lebeck nur als „Bildjournalist“, darauf legt der 80-Jährige auch heute noch Wert. Als Künstler fühle er sich nicht, sagt er. Auch wenn er für viele seiner Fotos die Bezeichnung verdient hätte, sagen wir. Fast sechs Jahrzehnte lang hat Lebeck fotografiert, was für Deutschland und die Welt von Bedeutung war. Viele berühmte Menschen posierten vor seiner Kamera, aber am liebsten hat er jene fotografiert, die davon nichts gemerkt haben, erzählt er uns. Heute kaum noch vorstellbar, das sieht er ein. „Die neue Mentalität mit dem ganzen Autorisierungswahn macht viel kaputt.“ Verblüffend ehrlich.
Wieviele Fotos Robert Lebeck, der vor allem für den Stern um die Welt reiste, in seiner Karriere gemacht hat, kann man nicht mehr zählen. Doch egal, welches Bild wir ihm zeigen – und wir haben ein paar seltene ausgesucht – er erinnert sich an alle Einzelheiten. So genau, dass wir ihn kaum unterbrechen können. Doch das stört uns ausnahmsweise nicht. Wir hören einfach zu, als er uns die Hintergründe erklärt. Nur eines hat er bis heute nicht herausfinden können: Ist die Waffe auf seinem bekanntesten Bild wirklich ein Degen oder doch ein Säbel? „Keiner konnte mir das bisher beantworten.“ Wir auch nicht.

Lebeck erklärt das Bild, das ihn 1960 berühmt machte (Foto: Knoll)
Dafür haben wir aber eine Menge Fragen, zum Beispiel über Romy Schneider. Und die beantwortet uns Lebeck – von Kollege zu Kollegen – immer wieder mit großer Offenheit: „Wie sie war? Also ehrlich gesagt, ein bisschen meschugge. Sie war immer so übertrieben. Manchmal hat sie wirklich genervt.“ Nur um ein paar Minuten später zu gestehen: „Zwischen uns beiden war es Liebe auf den ersten Blick.“
Doch nicht nur Lebecks Aufrichtigkeit ist es, die uns beeindruckt, vor allem ist es seine ungezügelte Leidenschaft für seinen Beruf, den er als “lebenslangen Urlaub” bezeichnet. Er war mal Co-Chefredakteur von Geo. „Aber Fotoreporter ist doch viel besser! Da erlebt man Abeneteuer! Und das ist es doch, was das Leben ausmacht!“ Wunderbare Sätze, von 80 keine Spur.
Und so überrascht uns auch nicht seine Antwort auf unsere letzte Frage, was für ihn der glücklichste Moment seines Lebens war: „Für mich war Glück immer, wenn ich ein gutes Foto gemacht habe.“
Martina Nürnberg
Autor: student Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Gäste der Akademie | 11 Kommentare »

Am 11. August 2009 um 22:03 Uhr
eine beeindruckende lebensfreude, die wir erleben konnten. bisher mein studium-generale-highlight!
Am 12. August 2009 um 09:30 Uhr
Es war sehr interessant. Allerdings fürchte ich angesichts der momentanen Zeitschriftenentwicklung, dass wir mit Herrn Lebeck einen der letzten großen Bildjournalisten getroffen haben. Trotzdem hoffe ich auch zukünftig auf starke Fotos. Ohne die kann der beste Artikel meiner Meinung nach nicht vollständig glänzen.
Am 12. August 2009 um 10:45 Uhr
@ cru:
Schon mal drüber nachgedacht, was sich aus guten Bildern alles online machen lässt?
Am 12. August 2009 um 11:15 Uhr
Darüber hätte man auch mit Lebeck sprechen können. Aber er denkt halt nur in Doppelseiten…
Am 12. August 2009 um 16:09 Uhr
Die jungen Kollegen werden ja sicherlich, dank der spitzen crossmedialen Ausbildung, schon bald die Gelgenheit bekommen, noch viele Bildergalerien in ihrem Leben bauen zu dürfen… WELT und BILD online grüßen
Am 12. August 2009 um 16:31 Uhr
@ CU
Ach Leute, nehmt halt nicht immer gleich alle schönen Perspektiven raus aus der Nummer. Es gibt ein Leben jenseits von Bildergalerien. Was kann man nicht alles Geniales mit Slideshows machen. Ganz zu schweigen von Nischenspezialisten wie FLYP. Wallpapers schlagen jeden 4c-Druck. Und Webzines bringen sogar die Doppelseite wieder…
Am 12. August 2009 um 16:31 Uhr
Zugegeben habe ich auch zu sehr in Doppelseiten von Illustrierten gedacht… Das wird sich wohl in zwei Monaten geändert haben, hoffe ich!?
Am 13. August 2009 um 11:39 Uhr
Da scheine ich ja etwas verpasst zu haben am Freitag!
Am 13. August 2009 um 11:52 Uhr
Definitiv! Und ganz ehrlich: Die Diskussion über Doppelseiten, Slide-Shows, ob die Zukunft im Print oder im Internet liegt, rückt nach dem Abend mit Robert Lebeck in den Hintergrund. Er hat wieder ins Gedächtnis gerufen, dass Leidenschaft für und Freude am Beruf wichtiger sind.
Am 13. August 2009 um 18:06 Uhr
Absolut richtig. Man könnte auch sagen, er ist einer vom alten Schlag. Aber eben nicht alt geworden. Da ist noch so viel Energie, Neugier, Leidenschaft. Fabelhaft!
Am 14. August 2009 um 11:58 Uhr
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