Sport und Spaß im Ersten
Der ARD-Sportredaktion steht ein neues Skandälchen ins Haus, und nein, es geht ausnahmsweise nicht um die Tour de France. Es geht um das CHIO, das größte Pferdesport-Ereignis hierzulande, das Anfang des Monats in Aachen über die Bühne ging. Übertragen wurde es von der WDR-Moderatorin Sabine Hartelt, und genau die steht nach einem epd-Bericht im Zentrum der Kritik.

(Screenshot: WDR-Fernsehen, wdr.de)
Hintergrund ist der Doping-Vorfall des deutschen Springreiters Christian Ahlmann bei den Olympischen Spielen in Peking/Hongkong.
Ahlmann wurde gesperrt, weil bei seinem Pferd Cöster die verbotene Salbe Capsaicin gefunden wurde. Als Mitbesitzerin von Cöster war, und damit schließt sich der Kreis, Susanne Sgrazzutti akkreditiert, die Lebensgefährtin von ARD-Frau Hartelt.
Hartelt berichtete von den Reiterspielen in China – und geriet damit in einen veritablen Interessenkonflikt. Der wird nun dadurch verstärkt, dass Hartelt diesen Umstand erst nach Olympia öffentlich machte. Der WDR erklärte daraufhin, die Übertragung von Hartelt eingehend überprüft zu haben – mit dem wenig überraschenden Ergebnis, dass Hartelts Moderationsleistung “über jeden Zweifel erhaben” sei.
Die entscheidende Frage die sich stellt in Zeiten, in denen der Pferdesport durch weitere Dopingfälle an Glaubwürdigkeit verloren hat und um seine finanziell überlebenswichtige Zukunft als Fernsehsportart fürchten muss, ist die: Was wusste Frau Hartelt über den Dopingfall Cöster? Und warum hat sie nicht von vornherein mit offenen Karten gespielt? Denn Susanne Sgrazzutti hat offenbar die Akkreditierung für das Pferd nur kurzfristig übernommen und soll nicht die tatsächliche Besitzerin sein. Warum also verschwieg Hartelt, auf privatem Wege unmittelbar verdrahtet gewesen zu sein mit der Szene?
Es ist nicht der erste Fall dieser Art im ARD-Sport, wenngleich sich Vergleiche mit den mittlerweile freigestellten Mitarbeitern Hagen Boßdorf, Jürgen Emig und Wilfried Mohren verbieten. Dieses Trio hatte ihre Stellung auf unterschiedliche Weise ausgenutzt, um in die eigene Tasche zu wirtschaften. Davon ist bei Sabine Hartelt nichts bekannt, gleichwohl bleibt ein fader Beigeschmack. Mit der via Selbstverpflichtung großspurig angekündigten “Unabhängigkeit, (…) (um) die Glaubwürdigkeit unserer Sportberichterstattung wahren und stärken” zu wollen, ist es scheinbar nicht sonderlich weit her.
Simon Pausch
Autor: student Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 4 Kommentare »

Am 20. Juli 2009 um 15:45 Uhr
Wen wundert das? Dass die Sportredaktionen in vielen Fällen nicht so kritisch sind, wie sie sein sollten, lässt sich auch sehr schön in der Diplomarbeit von Angelika Mikus von der TU Dortmund vom Institut für Journalistik nachlesen. Sie hat die Sportberichterstattung im Zusammenhang mit der Tour de France untersucht und stellt unseren Sportkollegen ein leider nur mäßiges Zeugnis aus.
Am 20. Juli 2009 um 16:18 Uhr
@ ntre:
…eben deshalb ist es auch schade, dass es um das sportnetzwerk so ruhig geworden ist!
Am 21. Juli 2009 um 14:17 Uhr
Wieso sollte der Sportjournalismus auch von Problemen wie Vetternwirtschaft verschont werden, die in anderen Disziplinen auch immer wieder vorkommen? Wobei ich das hier erwähnte Beispiel nun wirklich deutlich weniger schlimm finde als die Taten des erwähnten ARD-Triumvirats…
Am 22. Juli 2009 um 22:55 Uhr
Entscheidend ist doch nicht, ob es Vetternwirtschaft im Sport-Journalismus gibt – ich denke, es gibt sie, wie überall anders auch. Es kommt doch eher darauf an, ob die Berichterstattung darunter leidet. Im Endeffekt also alles eine Frage der Professionalität und die traue ich den allermeisten Sport-Journalisten durchaus zu.