30.6.2009

GASTBLOG: Was muss sich ändern…?

Sorry, liebe Akademie – aber heute muss an dieser Stelle kurzzeitig mal die Rede von einer anderen deutschen Journalistenschule sein. Keine Angst, es kommen kein Vergleich oder  gar Lobreden auf andere deutsche Journalistenschulen. Sondern nur ein paar interessante Antworten, die Absolventen dieser anderen Journalistenschulen gegeben haben auf die Frage: Was muss sich ändern im Journalismus?

jakblog

Und noch was vorweg: Die Antworten haben die Absolventen einer anderen großen süddeutschen Tageszeitung gegeben – aber nachdem auch der Leiter Ihrer Akademie Absolvent der anderen deutschen Journalistenschule war und in diesem Beitrag der anderen großen süddeutschen Tageszeitung zitiert wird, dachte ich mir, Sie lassen mir das vielleicht mal ausnahmsweise durchgehen…

Was also muss sich ändern? Erstaunlich, in welcher Bandbreite sich Antworten auf diese Frage bewegen. Wahlweise schimpft man ein wenig auf “Blogger und Gefühlsdusler” (öhm…was bitte?),  redet sich auf Generelles hinaus und beschwört die guten alten Tugenden. Das freilich ist ein wenig wie beim Fußball, dem deutschen: Klar wissen wir ja alle, wie wichtig die guten deutschen Tugenden sind, aber stellen wir uns im Himmels willen mal vor, die deutsche Nationalelf scheidet bei der WM in der Vorrunde nach desolater Leistung aus – und der DFB präsentiert als neuen Bundestrainer das Gespann Berti Vogts und Erich Ribbeck, die als Devise ausgeben, man müsse zurück zu den guten deutschen…na, Sie wissen schon.

Das also kann schon mal nicht sein, weswegen zwei zu Wort kommen sollen, die nicht über den Kampf zum Spiel finden wollen. Der eine ist Jan Eric Peters – und der sagt richtigerweise:  Hört auf mit dieser Larmoyanz, Schluss mit dem Gejammere. Und in der Tat ist das ja nur noch schwer auszuhalten, wenn sich Kollegen aus der Holzklasse gegenseitig bemitleiden und vor allem darüber lamentieren, dass Internet als solches ganz einfach nicht zukunftsfähig sei. Ist es nicht? Ist es schon, wenn man sich damit befasst und endlich mal begreift, dass es ausschließlich der Inhalt ist, der zählt. Wollen Sie Papier verkaufen oder gute Geschichten? Na bitte. Und von dem hier zitiere ich hier ziemlich gerne und ohne einen Hauch von Anbiederung den Namensgeber dieser Seite:

Krise, Krise, Krise! Wenn all die, die permanent über das Ende des Journalismus lamentieren, genauso leidenschaftlich mitreißende Geschichten recherchieren würden, wäre schon viel gewonnen. Schon klar, alles nicht so einfach heute. Aber die neue Medienwelt eröffnet die Chance auf mehr Qualität und größere Publikumsnähe – man muss sie nur beherzt ergreifen.

Und noch einen sollte man sich hinter die Löffel schreiben – einen, der es noch drastischer, nicht aber weniger treffen formuliert. Timm Klotzek (Neon) sagt nämlich auf die Frage, was sich ändern muss:

Es muss sich fast alles ändern. Ich glaube, der gedruckte Qualitätsjournalismus hat noch gar nicht recht begriffen, in welcher Existenzgefahr er sich befindet. Wir sind nahe dran, mit unserem selbstgerechten Branchen-Konservatismus die Chance zu verspielen, junge Leser zu begeistern für das, was wir selbst lieben. Die Wirtschaftskrise ist eine gute Begründung, die notwendigen Schritte nicht zu gehen.

Und ausnahmsweise, wirklich ausnahmsweise – würde ich dem schlichtweg nichts mehr hinzufügen.

Christian Jakubetz

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | Kommentare deaktiviert

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