15.5.2009

Team 2 in Israel (VII) – Beim Regierungssprecher

Wenn es um die Sprechgeschwindigkeit geht, scheint der Direktor des israelischen “Government Press Office” (GPO), Danny Seaman, Rekorden hinterher zu jagen. Gefühlte 10.000 Worte in der Minute hat der ehemalige Fallschirmjäger der Israelischen Armee gestern Mittag auf unsere kleine Delegation gefeuert.


(Foto: Philip Volkmann-Schluck)

Fragen stellen war bei diesem Termin nicht einfach: Ohne Punkt und Komma hat Danny Seaman zur Einstimmung einen Vortrag über die veränderten Anforderungen an die Presse im Zeitalter des Online-Journalismus referiert – im allerfeinsten American English. Schließlich hat der Mann sechs Jahre in New York gelebt und studiert, bevor er 1989 wieder zurück nach Israel ging.

Er wird als Sprecher und Berater verschiedener Regierungen tätig. Im Jahr 2000 wird er zum Direktor des GPO ernannt.

“Ausländische Korrespondenten können hier in einem halben Jahr mehr erleben als in vielen anderen Ländern”, sagt Seaman. Und tatsächlich: Da ist der Krieg im Gazastreifen, die turbulente Regierungsbildung und jetzt ist auch noch der Papst im Land.

Und jedes Ereignis hat so seine Tücken.

Der Krieg im Gaza – ausländischen Journalisten wurde der Eintritt verwehrt. Und warum? Seamans Argumentation ist knapp, kurz und natürlich schnell: “Die Hamas beeinflusst die ausländische Presse, missbraucht sie. Ich sehe einfach keinen vernünftigen Grund, Journalisten während einer solchen Zeit dorthin zu schicken.” Dass Israel für diese nicht gerade nach Pressefreiheit aussehende Maßnahme heftig kritisiert wurde, ficht Seaman naturgemäß nicht an.

Die Regierungsbildung der Knesset wiederum ist ein Spielchen, das sich öfter als die vorgesehenen vier Jahre wiederholt. Seaman etwas gelangweilt: “Alle zwei Jahre haben wir hier dasselbe Theater.” Der Mann ist auch in dieser Sache Routinier.

Der Papstbesuch: höchste Sicherheitsvorkehrungen sind hier von Nöten. Aber Seaman spricht nicht nur als Israels oberster Pressechef, er spricht auch als Jude – und räumt verpasste Möglichkeiten ein: “Es war ein wunderschönes, atemberaubendes Ereignis. Wir hätten den Papstbesuch in unseren Medien zusammen mit Christen viel mehr feiern müssen.”

Dann schafften wir es tatsächlich noch, einige Fragen los zu werden. Und natürlich hat uns vor allem auch Seamans Verhältnis zu den deutschen Medien brennend interessiert. “Deutsche Journalisten berichten akurater, sind sich der besonderen Situation in unserem Land bewusster als Vertreter anderer Länder.” Hintergrund: unsere negative Vergangenheit. “Doch aus dem Negativen ist ein gutes Verhältnis gewachsen”, sagt Seaman.

Michaela Dobbeck und Anje Raupach

Autor: student Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | Keine Kommentare »

Einen Kommentar schreiben