Team 2 in Israel (V) – YadVashem
YadVashem – die Holocaust-Gedenkstätte ist einer der wichtigsten Orte für Juden, einer, an dem sie sich ihrer traumatischen Geschichte erinnern. Und auch für Deutschland ist YadVashem ein zentraler Erinnerungsbaustein. Wir sind das Täterland, deswegen ist ein Besuch doppelt schwer.

Die Dokumentation der Verbrechen Nazideutschlands, die Abbildung des schier Unbegreifbaren, der Vernichtung von sechs Millionen Juden, macht traurig und stumm. Es ist auch die Vielzahl der Eindrücke, die einen schweigen lässt. Jeder findet in der genauen und ausführlichen Ausstellung einen Aspekt, der im Gedächtnis bleibt.
Zum Beispiel die beiden Zöpfe eines kleinen Mädchens, die dessen Mutter kurz vor der Deportation abschnitt und den Nachbarn zur Aufbewahrung gab. Sie wusste, dass die Pflege des dicken Haars auf ihrer Reise unmöglich sein würde. “Wenn wir zurückkommen, klebe ich mir die wieder dran”, sagt sich das Mädchen. Es kam nie zurück.
Jacov Tsur hat überlebt. Theresienstadt, Auschwitz und Sachsenhausen. Tsur wurde 1925 als Kurt Cierer in Mähren, dem späteren Reichsprotektorat und heutigem Tschechien geboren. 1946 wanderte er illegal nach Palästina ein. Er wurde Israeli und Historiker, ist seit vielen Jahren Vorsitzender des Vereins der Sachsenhausen-Überlebenden.

Geschichte und Geografie sind seine Passion. Wir treffen ihn zum Gespräch in einem Café. In dem abgetrennten Raum heftet Tsur eine Lagerkarte von Birkenau an eine Wand. Immer wieder deutet er mit seinem Zeigestock auf die Karte. Dort sind Baracken, Appellplätze und Gaskammern. Tsur berichtet aus seinem Leben, das ihn in Grenzbereiche und Sphären des Unsagbaren geführt hat.
Beinah scheint es so, als verstecke er sich hinter der Aufzählung von Daten, Zahlen und Fakten. Seine Registrierung in Auschwitz versteckt er nicht. “170038″ steht auf seinem Arm, die Zahl ist nicht mehr ohne weiteres zu entziffern, Tsur ist 85 Jahre alt. Es ist seine Häftlingsnummer, sie ist eintätowiert und das Erkennungszeichen aller KZ-Häftlinge. Dass einer der Schwestern und der Vater im Gas umkamen, erfahren wir erst ganz zum Schluss. “Dass es so etwas wie das Dritte Reich überhaupt geben kann, ist unvorstellbar.”
Thomas Andre (Fotos: Philip Volkmann-Schluck)
Autor: student Kategorie: A bis Z, Ausbildung | Keine Kommentare »
