14.4.2009

GASTBLOG: Alles hat seinen Preis

Wie oft haben wir in letzter Zeit davon gehört, dass gedruckte Zeitungen (vor allem in den USA) und Zeitschriften (leider hier in Deutschland) wegen zu hoher Kosten eingestellt wurden. Immer hieß es dann: Aber im Netz geht es weiter.

Frage eins: Wie lange halten sich ehemals gedruckte Produkte dort? Frage zwei: Mit welchem Geld?

Ja, irgendwie geht alles immer weiter im Netz, und es entstehen auch immer wieder erstaunliche neue Formate, die niemand mehr missen möchte. Doch “am Gelde hängt, zum Gelde drängt doch alles” ließ Goethes Faust seine Margarete einst rufen – und wann, wenn nicht in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise wird auch in der Medienbranche solches und ähnliches gerufen, weil die Frage von Einnahmequellen direkter und unerbittlicher zur Entscheidung über das (Über-)Leben von Redaktionen, Ideen, Produkten wird.

Lässt sich mit guten journalistischen Inhalten im Internet Geld verdienen? Denn guter Journalismus ist, das, was an der Axel Springer Akademie und anderen Journalistenschulen gelehrt wird – und das, woran wir glauben. Momentan gelangen solche Inhalte zwar ins Netz (wenn auch manche Print-Redaktion noch meint, sie könnte und müsste besonders exklusive Stücke so lang wie möglich zurückhalten), doch wer sie liest, zahlt nicht dafür. Und wer sie anklickt, klickt pro Geschichte meistens nur einmal (es sei denn, sie wurde künstlich auf mehrere Seiten verteilt). Nicht wirklich ausreichend, um den Preis für Bannerwerbung hochzutreiben. Da lohnt es sich viel eher, Klick-Garanten wie unterhaltsame Bilderstrecken, Quiz und Spielchen zu veröffentlichen.

Nichts gegen diese wunderbaren Methoden, komplexe Inhalte onlinegerecht aufbereitet zum User-Vergnügen werden zu lassen. Aber wo kommen da die aufwändig recherchierten Geschichten vor? Oder: Wo bleiben sie? Eine hochrangige Kollegin fragte jüngst etwas resigniert und wohl rhetorisch gemeint: “Haben wir durchs kostenlose Online-Stellen all unserer Qualitätsartikel nicht längst die Voraussetzung dafür geschaffen, dass niemand mehr den Wert zu schätzen weiß?” Der ehemalige CNN-Chef und leitende Time-Redakteur Walter Isaacson formuliert es etwas kürzer: “Wir haben einen Fehler gemacht.” Er bereue, dass im Internet News kostenlos sind, sagte er im Februar bei Jon Stewart.

Ja, das kostenlose Online-Stellen, das macht – obwohl allgemein üblich – den Verantwortlichen in Deutschlands Verlagen Kopfschmerzen. Apropos Kopf: Natürlich wird sich auch eben jener zerbrochen, um eine Möglichkeit zu finden, Inhalte doch noch monetarisieren zu können, wie es so schön heißt. Siehe die Umfrage der Meedia-Kollegen zu diesem Thema.

Von “Quersubventionieren”, “besserer Reichweitenmessung” und “neuen Werbeformen” ist in einem faz.net-Artikel zum Thema die Rede.

Der Autor endet dort mit der interessanten Feststellung: “Die beste Chance, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie sich guter Journalismus im Internet (oder meinetwegen: in Zukunft) finanzieren lässt, hat man, wenn man sich die Frage überhaupt stellt. Sie ist nicht identisch mit der Frage, die viele Online-Medien gerne damit verwechseln: Wie schaffe ich es, möglichst billig zu sein?” Nein, in der Tat, möglichst billig zu sein, ist stets die schlechteste der Möglichkeiten, mit wenig Geld auszukommen. Zusätzliches Geld durch bessere Angebote einzuspielen, das ist der Weg zum Ziel.

Domenika Ahlrichs

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | 2 Kommentare »

2 Kommentare zu “GASTBLOG: Alles hat seinen Preis”

  1. SoSe

    „Am Gelde hängt“ alles, das stimmt sicher. Auch der qualitative Journalismus. Für Print und Online. Aber es geht ja nicht nur um die Frage, wie lange sich Produkte im Netz halten, wenn sie dorthin abwandern und wer sie finanziert, sondern auch wer sie liest. Denn davon wird auch abhängen, ob man für die Nachrichten im Internet Geld verlangen kann.

    Dass Online-Redaktionen verstärkt jene User-freundlichen Inhalte einbauen, wie zusätzliche Bildergalerien, die natürlich Klick-Garanten sind – veranschaulicht auch, dass es da ist, was Leser suchen und finden möchten. Das ist natürlich durch das Klickverhalten schneller überprüfbar als in der Zeitung und da ein ansprechendes anderes Angebot nur ein Mouseclick entfernt ist, verschärft sich der Konkurrenzdruck noch. Und das ist ja Teil des Problems: Wenn der User weiß, er findet den Text inklusive Zusatzinformationen auf einer anderen Seite zum Thema einfacher und kostenlos, dann geht er dorthin oder klickt sich durch mehrere Angebote. Demnach richten sich Online-Redaktion immer mehr danach aus, den Leser auf der Seite zu halten und die Wünsche zu erfüllen, die der Leser sucht. Aber wie Marc Fisher von der Washington Post kürzlich in einem Interview mit Stephan Weichert http://www.sueddeutsche.de/kultur/495/457156/text/sagte, liegt seiner Meinung nach in der Diskussion „der Fokus immer auf solchen Personen, die so viel Zeit und Kompetenz haben, Informationen im Netz überhaupt aufzuspüren. Menschen, die selten Zeitung lesen oder Nachrichten im Fernsehen sehen, sind die eigentlichen Verlierer des derzeitigen Medienwandels, denn sie sind weit davon entfernt, selbst die Initiative zu ergreifen und zehn verschiedene Sichtweisen einer Story im Internet zu lesen.“

  2. maTze

    Claus Strunz hat neulich darauf hingewiesen, dass in dieser Frage vor allem die Verkaufsleute gefordert sind. Von denen erwartet er nicht weniger als die Neuerfindung der Todesanzeige.

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