12.4.2009

Von Hasen und Hunden (Linksverkehr 22)

Was gibt es Schöneres, als an einem ruhigen freien Tag im warmen Sonnenlicht – links den Cappuccino, rechts dieser unwiderstehliche selbst erlegte Schokohase – gemütlich Zeitung zu lesen?

Heute also keine Kritik an schlecht geschriebenen Geschichten, merkwürdigen Fotos oder Schlagzeilen, die keine sind, sondern nur eine Empfehlung: in den Sonntagszeitungen die besten Artikel suchen, die Nougat-Eier unter den Texten sozusagen, und genießen!

Einer meiner Tipps für Wirtschaftsinteressierte, nein, eigentlich für alle: der Kommentar “Dicke Hunde” von Winand von Petersdorff auf Seite 30 der “FAS”: “Man möchte ja gar nicht glauben, wie viele Persönlichkeiten der Wirtschaftswelt in diesen Tagen an Regierungstüren kratzen und um Steuergeld winseln. Man wünschte sich vielleicht etwas mehr Stolz der Bittsteller, aber im Grunde regt man sich schon gar nicht mehr auf über das große Retten. Es sei denn…”

Und falls Sie sich die 2,90 € für die Zeitung (oder die 2 € für den Download des Textes) sparen wollen, was nicht nur aus konjunkturellen Gründen schade wäre, hier einige Merksätze. Oder wie der Autor sagt: “Mit ein paar Grundsätzen müssen wir jetzt doch noch einmal nerven.”

“Erstens und ganz prinzipiell: Gründe, Unternehmen mit Steuergeld zu retten, gibt es nicht.”

“Ausnahme: Die Firma ist so systemrelevant, dass sie die gesamte Wirtschaft ruinieren könnte im Falle des Untergangs. Das gilt für die wenigstens Unternehmen. Arcandor ist ungefähr so systemrelevant wie der Mannschaftsmasseur für das Spiel von Bayern München.”

“Selbst Krisenopfer, die unschuldig an der eigenen Malaise sind, verdienen keine Rettungsinfusionen. Denn in der Marktwirtschaft geht es nicht um Schuld und Sühne, sondern um Erfolg und Misserfolg.”

“Einige Menschen in diesem Land zahlen fleißig Steuern, haben kein Auto zum Abwracken, sind nicht systemrelevant und darüber hinaus nicht mit der Macht und Chuzpe gesegnet, die Politiker zu erpressen. Sie beziehen keine Sozialhilfe. Sie arbeiten und wappnen sich gegen schlechte Zeiten durch Sparsamkeit. Sie gehören in diesem Land zu den ärmsten Hunden.”

Frohe Ostern!

Autor: jep Kategorie: A bis Z, Blattkritik, Zukunft des Journalismus | 1 Kommentar »

Ein Kommentar zu “Von Hasen und Hunden (Linksverkehr 22)”

  1. SoVu

    Wie schon “Alles hat seinen Preis” nicht neu verrät, gibt´s guten Journalismus im Netz bisweilen für lau – so auch Petersdorffs Kommentar… aber gut…

    GUT, dass Petersdorff dem Ärmsten unter den Hunden eine Stimme gibt und die Groteske mal auf den Punkt bringt! Diese Absurdität schlägt mir nämlich jeden Tag bitterlich ins Gesicht: Mühevoll hat sich mein Freund über Jahre aus eigener Kraft und mit eigenem Kapital ein Unternehmen aufgebaut. Inzwischen gehört er zum Mittelstand, der in Berlin immer noch die meisten Jobs bietet, er lanciert durch Kooperationen auch Partnerfirmen und mit 45 Prozent Steuern nicht zuletzt und nicht zu wenig auch das Sozialsystem und das Auffangnetz für marode Banken.

    Noch gehört er zu denen, die dieser “Säuberungsprozess”, wie Walter Pincus die Krise einst nannte, nicht weggewischt hat – aber auch das gebührt einzig seinem eigenem Kapital und seiner eigenen Kraft. Ihm bleibt auch gar nichts anderes übrig; weder kann er Gewinne in den USA versteuern, um Verluste hierzulande geltend zu machen, noch kann er zocken wie Frau Schaeffler, um anschließend weinend an Regierungstüren zu kratzen. Denn obwohl es nicht nur um seine Vision und um seine Existenz geht, sondern auch um die ganzer Familien (die das Sozialsystem solange nicht auffangen muss, solange er die Zeit nicht über seine Firma hinweggehen lässt), würden seinen Tränen zu guter Letzt auch keinerlei Beachtung geschenkt.

    Als Journalistin, na klar, ist mir Systemrelevanz ein Begriff – zuhause hat er aber eine ganz andere Bedeutung!

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