“Wir sind peinlich” (Linksverkehr 1)
Unter diesem Titel wollen wir künftig kurz und bündig interessante Geschichten verlinken. Geschichten, die uns aufgefallen sind. Besonders gute und besonders schlechte. Heute zum Start hätte man die Reihe auch “Links extrem” betiteln können.
Die “Welt” veröffentlicht eine nachrichtliche Titelgeschichte zu den umstrittenen Entscheidungen Papst Benedikts, eine erklärende Seite 3 – und einen Kommentar, bei dessen Lektüre mir das Frühstücksbrötchen aus der Hand gefallen ist. Wie kann man das drucken?
Ganz anders die ”taz”. So macht man es richtig, so gefällt es mir. Eine gute Cover-Idee, eine erklärende gute Seite 3 – und eine Schlagzeile, mit der man heute leider auch die Meinungsseite der “Welt” überschreiben könnte.
Autor: jep Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Blattkritik, Zukunft des Journalismus | 23 Kommentare »


Am 2. Februar 2009 um 13:57 Uhr
sensationelle 1 der taz.
Am 2. Februar 2009 um 20:31 Uhr
RUMS!
Der Ansatz der “Welt”, mal dem langweiligen politisch korrektem Mainstream à la taz etwas entgegen zu setzen, ist ja nicht verwerflich. Aber dieser Kommentar ist im besten Fall kontraproduktiv.
PS Cooles Format! I LIKE, wie mein Freund Borat sagen würde.
Am 2. Februar 2009 um 21:19 Uhr
Warum sollte die “Welt” besser sein, als die Welt selbst?
Vielleicht war in carstens orange-Nuss-torte anlässlich der .de-feierlichkeiten (siehe intranet) aber auch einfach ein Schuss Likör zu viel.
Oooder Margita feldrapp betreut die Forumsseite und hat noch einige eigene Gedanken eingearbeitet.
Man weiß es nicht.
Am 2. Februar 2009 um 21:20 Uhr
Das format find ich aber auch gut! Die “taz” sieht man so jetzt ja auch nicht ständig.
Am 2. Februar 2009 um 21:56 Uhr
Hi hi! Hast recht. Bei der Welt also “Welt” wundert einen ja so manches (nicht mehr).
Am 2. Februar 2009 um 22:45 Uhr
@hagen & avb
Ihr bösen Menschen, ihr.
Ihr müsst ja nicht gleich auf die gesamte Blue(men)-Group draufhauen wegen einer Titelseite. Und nur weil die taz ein “Wir sind” zitiert (das ja nun soooo neu auch nicht mehr ist, hatte die taz nicht schon ein paar “Wir sind”-Zeilen?) muss man auch nicht gleich aus dem Häuschen geraten.
Und um mal die Diskussion zu versachlichen: Was ist an dem Kommentar so schlimm? Papst = guter Hirte = irgendwie unfehlbar, etc. Ist das nicht in der Tat eine Stimme, die in dem ganzen Papst-Infrage-stell-Chor der vergangenen Tage gefehlt hat? Und wenn nicht auf der Meinungsseite, wo dann? Es tut mir natürlich um Ihr Frühstücksbrötchen leid, aber man wird doch noch provozieren dürfen.
PS: Tolles Format!
Am 2. Februar 2009 um 22:50 Uhr
Das ist nicht als Provokation gedacht, das ist ernst gemeint! Das macht es so grausam.
Am 2. Februar 2009 um 23:47 Uhr
Lieber Sören!
Wie bereits gesagt: Der Ansatz, mal etwas vom Mainstream abweichendes zu schreiben, ist GUT. Mich langweilt auch die hier gelobte taz-Seite. GÄHN kann ich da nur sagen, lieber Claas und lieber Herr Peters. Zu “Wir sind peinlich” gehört nix, so vereinfachen kann jeder. Unpopulär zu differenzieren, wie im Kommentar angestrebt, ist ehrenvoller. Bloss geht der Kommentar nicht weit genug. Dass die ursprüngliche integrative Intention des Papstes etwas schlechtes ist, behaupten wohl die wenigsten. Jetzt muss aber doch beantwortet werden, wie der Vatikan christlich mit diesem selbst verschuldeten Skandal umgeht? Der Kommentar von Thomas Schmid ist wesentlich befriedigender, und im Gegensatz zur taz-Seite gar nicht peinlich.
Am 3. Februar 2009 um 02:14 Uhr
@avb:
und schreiben, wie langweilig und einfach eine zeile ist, wenn sie einem nicht selbst eingefallen ist, kann auch jeder.
Am 3. Februar 2009 um 02:19 Uhr
@sök:
und das innovative an der wir-sind-zeile ist doch, dass sich dieses infationäre wortspiel endlich mal auch auf das ausgangsthema bezieht. einfach. und gut.
Am 3. Februar 2009 um 06:48 Uhr
“Eine Klarstellung ist unerlässlich”, steht über dem heutigen Leitartikel der “Welt” (in der gedruckten Version). Auch wenn Autor Thomas Schmid, der Chefredakteur der Zeitung, diese Feststellung mit Blick auf den Papst trifft, gelingt ihm doch gleichzeitig elegant eine Korrektur des Kommentars vom Vortage.
Geht doch.
Am 3. Februar 2009 um 06:55 Uhr
Mathias Döpfner holt in der “Bild” den Vorschlag-Hammer raus. Unter dem Titel “Unfehlbar?” fordert er in seinem Kommentar eine Entschuldigung des Papstes – und legt ihm den Rückzug nahe, wenn er seine umstrittene Entscheidung nicht zurücknimmt, einen Holocaust-Leugner in die Kirche aufgenommen zu haben: “Wer dazu nicht die Kraft findet, sollte nicht die Kraft Gottes für sich in Anspruch nehmen.”
Am 3. Februar 2009 um 08:17 Uhr
@claas
Diese taz-Zeile wäre Frau vb wohl schon eingefallen, soviel gehört da in der Tat ja nicht zu. Ihr Arbeitgeber achtet bei seinen titelgeschichten aber darauf, nicht nur der eigenen Branche als (bestenfalls) Inspirationsobjekt zu dienen.
Die taz hat ihr Tagwerk erfolgreich verrichtet, wenn die Nachbarn in Berlin oder andere Redaktionen über sie schmunzeln – oder den Kopf schütteln. Wobei der taz-Redaktion womöglich beide Reaktionen gleich lieb sind.
Vor dem hintergrund dieses anspruchs wird “wir sind peinlich” doch wieder zu einfach und belanglos.
Es ist wie der Erstklässler, der vor allen anderen den ungeliebten Hausmeister einen Idioten schimpft.
Niemand feiert ihn als Helden.
Niemand ist ihm böse.
Er wird nicht Ernst genommen.
Am 3. Februar 2009 um 09:00 Uhr
@ claas:
Vielleicht hab ich die Ausgangsschlagzeile einfach schon so oft gelesen (und wohl nie “so richtig” toll gefunden), dass ich diesen Beitrag zur Pope-Geschichte auch nicht mehr gut genug finde. Aber interessant eben auch, dass sie nachrichtlich eben nichts weiterdreht. Weil peinlich war’s auch schon am Samstag. Und auch wenn “Aktualität überschätzt wird”, wie mal ein netter Kollege mir versuchte beizubringen, sollte sie doch zumindest mit einbezogen werden.
Toll überhaupt, dass der Papst so derart von den Deutschen selbst in Frage gestellt wird, etwas, das in Polen wohl nie passiert wäre. Ein wenig wundert mich schon, dass wir einen “von uns” nicht mehr versuchen zu verstehen – und dass an Tag drei noch nicht er selbst in Überschriften und Großbuchstaben zu uns spricht. Schließlich will auch niemand, dass morgen getitelt wird “Papst ante Portas”, weil “wir” vor die Tür gesetzt wurden.
@ avb: Bevor ich mich hier vor einem GÄHN aus dem 15. Stock fürchte, würde ich auch lieber eine taz-Zeile loben – vor allem wenn sie eines der Hauptziele einer guten Überschrift erfüllt: “It gets us talked about”, wie die Redakteure argumentieren könnten.
@ hagen: Um die Zeit schon poetische Metaphern! Wow!
Am 3. Februar 2009 um 11:34 Uhr
@hagen
da kann ich dir nur zustimmen. mir war lediglich die pauschalkritik á la “das kann jeder” zu kurz gegriffen. grüße nach d’dorf!
Am 3. Februar 2009 um 11:34 Uhr
der name des obigen posters ist natürlich “claas”
Am 3. Februar 2009 um 11:38 Uhr
was mich an dem ganzen thema wundert: die rücknahme der exkommunikation geschah vor einer woche. mit entsprechender berichterstattung und solidaritätsbekundungen des papstes gegenüber den juden. warum wird das jetzt wieder hochgekocht? wegen des harry-potter-weihbischofs? weil sich jetzt ein paar kritiker trauen, was zu sagen? warum haben sie das nicht schon in den tagen voher getan?
Am 4. Februar 2009 um 00:48 Uhr
@claas
stimmt. zeilen langweilig finden, die man nicht selbst erfunden hat, kann jeder. aber tut leider öffentlich nicht jeder. und wenn es nur noch erlaubt ist, dinge zu kommentieren, die man selbst konzipiert hat, ist es irgendwie auch doof. trotzdem albern, von so ner kindergartenzeile beeindruckt zu sein. “ui die taz ist ja so unkonventionell.” kann man ja nur lachen.
@hagen
du bist in wahrheit ein poet!
@sören
warum sollte irgendjemand jemals ein gähn aus dem 15. “fürchten”? und wieso muss man stattdessen ne zeile loben? ich nix verstehen. “it gets us talked about” ist übrigens ein sehr passiver satz. du kannst auch morgen nackt zur arbeit gehen – “it gets you talked about” – wieso nicht?
Am 4. Februar 2009 um 01:33 Uhr
@avb:
natürlich kann man die taz-zeile langweilig finden, und dies öffentlich zu tun ist gewiss nichts besonderes. aber über die geistige leistung anderer pauschal nach dem motto “das kann doch jeder” zu urteilen, finde ich zu einfach und oberflächlich.
Am 4. Februar 2009 um 12:07 Uhr
@claas
einfach und oberflächlich. so ist sie, die schöne prinzessin! missgünstig hast du vergessen. die gönnt der taz auch nicht mal den dreck unter den nägeln. BAH!
@afaubeh
setz sören nicht so einen floh ins ohr! der bringts fertig und kommt wirklich unten ohne! ich seh schon den aufmacher im “inside.mag”: “irrer sorgt für umsatzeinbruch im paparazzi!”
Am 4. Februar 2009 um 12:57 Uhr
Na na, den Dreck unter den Nägeln gönn ich denen schon noch. Adresse Rudi-Dutschke-Straße ist doch schon Strafe genug für die arme taz. Und bitte verunglimpf nicht meinen Freund Sören! Der ist nicht irre, bloß weil der bei der “Welt” ist.
Am 4. Februar 2009 um 14:08 Uhr
ich denk, der ist mittlerweile bei der morgenpost!? oder hat er denen den rücken gekehrt, seit die die medienseite abgeschafft haben?
ps: sören hat mutmaßlich genau so viel dreck unter den nägeln wie die taz. beiden gönne ich es.
Am 5. Februar 2009 um 12:03 Uhr
Hagen irgendwie entgleisen die Diskussionen mit Dir immer so. Von der taz-Schlagzeile zur körperlichen Hygiene der Kollegen in nur 22 Kommentaren. Muss das sein?