23.1.2009

Award der Woche für Locopodia

Allein der Name wäre einen Preis wert: Buchstaben-Brücke zwischen klassischer Bildung und moderner Kommunikation, klug gewählte Überschrift für ein ehrgeiziges Projekt. Und wohlklingend dazu: Locopodia!

Für die Nicht-Lateiner: “locus“ -  der Ort, “podium“ – der Balkon. Im Deutschen steht Podium für Bühne oder Rednerpult. Und weil im Namen auch ein gutes Stück Podcast steckt, ist die Marke auch im Web-2.0-Sinne etymologisch korrekt.

Allerdings gibt’s den Jepblog-Award nicht für Verpackung, sondern für Inhalt. Und der hält problemlos mit. Locopodia stellt Information und Unterhaltung als Audiodateien zur Verfügung. Webbasiert, mobil verfügbar. Sicher, das machen andere auch. Das Besondere an diesem Portal: Die Beiträge werden mit den dazugehörigen Orten verknüpft, die Audiobeiträge können lokal zugeordnet gefunden und als mp3 kostenlos herunter geladen werden.

Was das bedeutet? Zum Beispiel vor der Fahrt in den Urlaub Hörbeiträge passend zur Fahrstrecke zusammenstellen zu können. Oder den Audioguide für die nächste Städtereise selbst zusammenstellen. Einfach genial, nach drei (bzw. vier) Suchkriterien:

Variante 1: nach Orten
Variante 2: über eine Landkarte
Variante 3: entlang den Autobahnen
(In Klammern Variante 4: nach Sagen und Märchen. Gute Idee, nur ist das Angebot noch zu schmal, um nennenswert zu sein.)

Durch den richtigen Klick auf der Startseite öffnet sich der google-Blick auf Stadt, Land, Fluss. Wenn das individuell passende Angebot gefiltert ist, kann die Deutschland-Audio-Tour starten. Reiseführer-Wissen, literarische Texte, Hörbücher, Legenden – Hintergründiges aus dem gesamten deutschsprachigen Raum ist im Angebot. Zum Teil von Locopodia selbst produziert, andere Inhalte stammen aus Kooperationen und Links. Alle Zeichen stehen auf weiteren Ausbau. Beiträge von Nutzern sind hochwillkommen, sie werden entsprechend gekennzeichnet auf der Plattform platziert. Ob für Kinderohren geeignet, kommentieren die Locopodisten zum Teil schon im Bildschirm-Angebot.

Doppel-Sternchen gibt’s für den Einfall, die Geschichten zu den braunen “Touristischen Hinweisschildern“ und “Unterrichtstafeln“ entlang der Autobahnen zu erzählen. Jeder kennt diese Verkehrszeichen – und wohl auch den Wunsch, mehr als nur die Überschrift des dort Annoncierten zu wissen. Und dass man sowieso nie zum Nachlesen kommt.

Also vielleicht geballte Bildung vor der Fahrt als Audio-Paket herunterladen? Locopodia bietet Hintergründe sortiert nach Autobahn und Fahrtrichtung, eingeordnet nach Autobahn-Kilometer. Wissen im Wortsinn er-fahren:

Kloster Cismar zum Beispiel, ein paar Kilometer östlich der A1 zwischen Heiligenhafen und Scharbeutz gelegen, wurde als Verbannungsort für allzu lebenslustige Mönche gegründet.

Am Bogenberg, Kilometer 537 an der A3 zwischen Regensburg und Passau, leisteten die Bewohner von Holzkirchen wegen einer Borkenkäferplage vor mehr als 500 Jahren das Gelübde, jedes Jahr eine 13 Meter hohe Kerze auf den Berg zu tragen. Zwei Tage Wallfahrt – bis heute.

Und die Ruine der Strahlenburg Schriesheim, Kilometer 561,5 an der A5 Frankfurt-Karlsruhe: Schauplatz des Kleist-Dramas “Käthchen von Heilbronn“.

Das sind nur Bruchstückchen aus Locopodias Geschichtenschatz, der in toto ein pfiffiges Konzept gegen Langeweile am Steuer und ungestillten Wissensdurst ergibt. Die  Einschränkung: Das seit Mai 2008 betriebene Portal arbeitet noch nicht flächendeckend. Zwar sieht bei den Orten das Angebot quer durch die Republik gut aus. Zur Braune-Schilder-Autobahn-Tour aber startet man besser im Süden oder Westen Deutschlands, der Rest ist (noch) nicht erschlossen. Aber: Daran wird gearbeitet.

Katrin Aldag-Gendner

Autor: aldaggendner Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 1 Kommentar »

Ein Kommentar zu “Award der Woche für Locopodia”

  1. Ulf

    Merci für die freundlichen Worte.
    Wir arbeiten natürlich fleißig an weiteren Beiträgen. Schildchen für Schildchen…
    Und bald tut sich auch wieder was in Richtung Usability.

    Viel Spaß beim Reinhören

    Ulf

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