22.1.2009

Grundsatz-Talk mit Michael Stürmer

“Krieg ist eine extreme Form der Kommunikation. Jedes Bild ist eine Waffe.“ Es waren sehr eindringliche Worte, die Michael Stürmer beim ersten Studium Generale von Team 5 wählte. Eigentlich war der Historiker und Publizist in den Roten Salon gekommen, um uns Neuen traditionsgemäß die Unternehmensgrundsätze des Verlagshauses zu erläutern.

Aber neben den Essentials wurde dann auch der Konflikt im Gaza-Streifen zum Thema in unserer abendlichen Gesprächsrunde – und die geriet so zu einem Lehrstück in Sachen Qualitätsjournalismus.

Der Bezug zum Israel-Konflikt lag nicht zuletzt deshalb nahe, weil Axel Springer selbst “ein enger Freund Israels und emotional stark engagiert“ war, wie Stürmer sagte. Aus diesem Engagement heraus formulierte der Verleger 1967 den Unternehmensgrundsatz Nummer Zwei: Das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen und die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes.

Daneben stützt die Unternehmenssatzung auf vier weiteren gesellschaftspolitischen Grundsätzen:

  • Das unbedingte Eintreten für den freiheitlichen Rechtsstaat Deutschland als Mitglied der westlichen Staatengemeinschaft und die Förderung der Einigungsbemühungen der Völker Europas;
  • Die Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus
  • Die Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft sowie
  • Die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.

Springer vertrat dabei die Überzeugung, dass eine pro-israelische Politik Deutschland mehr moralischen Kredit einbringen könne als alles andere – so zumindest formulierte er es anno 1985 in seinem Buch “Von Berlin aus gesehen“. Aber Team 5 wollte es genauer wissen: Gilt diese Einschätzung denn immer noch? “Heute würde er wahrscheinlich nicht mehr so klar Stellung beziehen“, vermutete Stürmer auf unser Nachhaken hin. Denn die moralische Position Israels im Krieg habe sich verändert – und damit auch der Blickwinkel in der Berichterstattung.

Was aber bedeutet dies für die Medienvertreter im Allgemeinen, und insbesondere für uns Journalisten der Axel Springer AG  im Speziellen? „Ein Zeitungshaus wie Axel Springer trägt hohe Verantwortung, den Konflikt in erträglicher Form darzustellen“, mahnte der Chefkorrespondent der „Welt“. Erträglich, aber eben nicht unkritisch. Das bedeute für uns: Gewissenhaft, kenntnisreich und objektiv zu berichten, ohne dabei in Standpunktlosigkeit zu verfallen. Oder, in den Worten unseres Gastes ausgedrückt: “Nicht zum Dackelschwanz werden!“

Das Fazit unserer Diskussionsrunde: “Wichtig ist, rational zu bleiben und sich zu fragen: Wo kann hier der Sinn sein?“, fasste Stürmer zusammen. Sein abschließender Rat an uns von Team 5: “Herz und Verstand: Man braucht beides als Journalist.“ Passendere Worte hätte man uns zum Ausbildungsbeginn wohl kaum mit auf den Weg geben können.

Céline Lauer

Autor: student Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | 3 Kommentare »

3 Kommentare zu “Grundsatz-Talk mit Michael Stürmer”

  1. richtung

    Axel Springer sagte im Zusammenhang mit dem ebenfalls in seinem Verlag erscheinenden “Hamburger Abendblatt” einmal folgendes:

    “Wir suchen die vernünftigen Stimmen, ob sie von links, ob von rechts oder aus der Mitte kommen.”

    Leider ist in “Bild” und “Welt” von diesem Anspruch nichts mehr zu bemerken, dort findet nur noch Hetze statt auf alles, was irgendwie links der Mitte angesiedelt scheinen könnte.
    Vernunft wird nur den Stimmen zugestanden, die das Vermögen der obersten Zehntausend sichern und ausbauen wollen.

    http://www.abendblatt.de/extra/service/952148.html

  2. marcbaron.de » Meine erste Woche an der Akademie

    [...] Donnerstag kam dann Prof. Michael Stürmer, Chefkorrespondent von “Die Welt”, zu einem “Studium Generale” in die Akademie. Eine Kollegin und ich hatten den Termin vorbereitet und moderierten das [...]

  3. jepblog » Blog Archive » Silvana Koch-Mehrin & der Dackelschwanz

    [...] 21 aufstrebende junge Journalisten in handzahme EU-Lobbyisten zu verwandeln. Team 5 wurde, um mit Prof. Stürmer zu sprechen, zum [...]

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