Team 1 in New York (IX) – Nachtrag von der Wall Street
Wir kannten ihn nur vom Foto. 182 Tage lang hoben wir ihn und seine Wallstreet-Kolumne bei Welt Kompakt ins Blatt. Und jetzt sitzen wir Lars Halter (34), Wirtschaftskorrespondent in New York, gegenüber – in einem Burger-Restaurant nahe der Wall Street, zwischen lauter Brokern, die zwischen Aktienkauf und –verkauf für ein schnelles Mittagessen das Parkett verlassen haben.

Was wir zwischen Fritten und Fleischbergen lernen?
1. Ein Wirtschaftskorrespondent muss verstehen, aber nicht immer erklären können.
Wir bekommen ganz nebenbei eine Führung bei der NYMEX. Bei der Warenterminbörse wird mit Rohstoffen gehandelt. Wir verstehen weniger als Bahnhof. Hunderte Männer im lässigen Outfit machen munteres Pantomime-Theater. Sie strecken die Hände aus (heißt: “kaufen“), hauen sich auf den Kopf (heißt “wie viel?“), fassen sich an den Hals (heißt: “Ich bin raus“). “Die Grundlagen muss man kennen“, meint Lars Halter. “Aber man muss nicht jede kleine Entwicklung auf dem Markt begründen können. Die meisten Wirtschaftsjournalisten urteilen zu früh suchen krampfhaft nach Gründen für die aktuelle Lage. Die ist aber von so vielen Faktoren abhängig, dass es sich häufig nicht abschließend klären lässt, woran es liegt.“ Also: Lieber vorsichtig analysieren als zu mutig vorpreschen. Auf Dauer klüger für die langfristige Karriere.

2. Die große Wirtschaftskrise erkannten die Wallstreet-Insider im August 2007.
Nach dem Einbruch zweier großer Hedge-Fonds im August 2007 war für die Wirtschaftskorrespondenten in New York klar: Das kann böse enden. “Die Stimmung war schlecht. Es war abzusehen, dass es weiter bergab geht.“ Hätten die Medien das Thema dann nicht noch deutlicher fokussieren müssen? Halter: “Nein. Panikmache bringt nichts. Und letztendlich hätte es vermutlich nichts geändert, vielleicht sogar nur noch schlimmer gemacht, weil viele sofort überstürtzt verkauft hätten.“
3. An der Börse weißt Du nie, wem Du trauen kannst.
Lars Halter hat sich gerade ein Haus westlich des Hudson Rivers gekauft. Aber nicht etwa, weil er durch seinen Job Kenntnisse hat, die ihn einfach nebenbei mal eben zum Millionör gemacht haben: Halter besitzt keine einzige Aktie. “Der Interessenskonflikt wäre mir zu groß. Mir wäre natürlich wichtig, dass meine Aktien steigen. Die Gefahr, ein Quentchen positiver zu berichten als man es sonst tun würde, ist dann sehr präsent. Aus diesem Grund sei es auch schwierig, den Reporter-Größen in der Branche zu trauen. “Man weiß nie, was dahinter steckt.“ Übrigens: Ob man den Quadratmeter-Preis von rund 24 Euro (!) für eine Wohnung abbezahlt oder investiert – das kommt wohl mindestens aufs Selbe hinaus. Da zahlt man lieber ab.

4. Deutsche haben auch ohne fundierte Ausbildung gute Chancen, in den USA Karriere zu machen.
Ohne Studium und vor allem ohne genügend Geld zog Lars Halter in die Staaten. Das war vor zehn Jahren. Mit einem alten Wohnmobil fuhr er herum, auf der Suche nach einem Job. “Irgendwas mit Medien“ wollte er machen, dabei hatte er bislang bloß nebenbei ein bisschen für die Lokalblätter „Badische Zeitung“ und “Die Oberbadische“ berichtet. In Los Angeles bot er deutschen Zeitungen trotzdem einfach mal seine Texte an – mit Erfolg. “Kontakte sind hier noch zehnmal wichtiger als in Deutschland“, findet er. So kam er nach New York City, arbeitete für die Finanznachrichtenagentur “Wall Street Correspondents“, wurde Chefredakteur der New Yorker Staats-Zeitung und der Zeitschrift German World. Heute berichtet er täglich für den Nachrichtensender n-tv, schreibt für die Axel Springer AG, insbesondere für seine Kolumne in der WELT Kompakt und hat eine eigene Internetseite, auf der sich Insider-Infos vom Parkett der New York Stock Exchange, von der Nasdaq und von der Rohstoffbörse Nymex lesen lassen.
5. In New York ist ein Schwarzwälder niemals allein.
Und auch nicht der Ruhrpottler, der Berliner und der Hamburger. Denn etwa 25 Prozent aller US-Amerikaner sind deutscher Herkunft oder Abstammung. Allein in New York leben rund 500.000 Deutschstämmige. Lars Halter, geboren in Rheinfelden, Baden, ist seit drei Jahren General Chairamn der German-American Steuben Parade in New York, die jedes Jahr am dritten September auf der Fifth Avenue stattfindet. “Ich habe viel Kontakt zu Deutschen.“ Aber auch sonst ist ein Deutscher hier niemals einsam. “Die New Yorker kommen sofort auf einen zu. Wer hier menschlich ein Problem hat, ist selber Schuld.“
Hagen Meyer und Claudia Weingärtner
Autor: student Kategorie: A bis Z, Ausbildung | 7 Kommentare »

Am 14. November 2008 um 15:06 Uhr
marco fenske hat ne fluppe in der hand. so klappts niemals an der nymex. da ist nämlich rauchverbot.
Am 15. November 2008 um 12:21 Uhr
das foto hat noch MEHR geheimnisse!
anna-beeke g. hat von der warenterminbörse ein paar termine mitgehen lassen und verstaute sie eilig in einer plastiktüte.
anne j. dagegen schnappte sich gleich die ganze börse, steckte sie in ihre handtasche und klammert sich seitdem nervös daran fest.
sven n. ist sauer auf herrn halter weil dieser ihm nicht die zahlreichen insiderinformationen zur verfügung stellte, die der börsenexperte stehts in seinem kleinen weißen blöckchen festhält (s. linke hand).
und wer auf dem zweiten foto sören k. entdeckt, der im zettel-wirrwarr seinen reisepass, seine postkarten in die heimat und die einkaufsliste für den bodyshop findet erhält einen termin aus anna-beekes plastiktüte.
Am 15. November 2008 um 16:25 Uhr
wo issn das foto von unserem kollektiven pipilotti-kunstwerk???
Am 15. November 2008 um 19:57 Uhr
keine ahnung. ich weiß dafür, wo pipilotti ist.
Am 16. November 2008 um 11:45 Uhr
das hat herr biesenbach für 500 dollar (schnapper!)
gekauft und stellt es statt pipilotti’s installation im MoMA aus. Müssen halt alle sparen.
Am 16. November 2008 um 13:34 Uhr
dafür stellt biesenberg pipilottis installtation in seiner eigenen wohnung aus. platz genug hat er ja.
Am 24. November 2008 um 19:54 Uhr
Hallo Team 1,
na, da ist ja der Blog-Eintrag über euren Besuch an der Wall Street. Schön, dass ich euch etwas vermitteln konnte, und der Besuch an der Wall Street und der NYMEX für euch interessant war… viel Erfolg weiterhin, und beste Grüße,
Lars Halter