Team 1 in New York (VI): Besuch an der Columbia
An Gehalt wollen die Studenten der Columbia Graduate School of Journalism gar nicht denken. Statt dessen zahlen sie 40.000 Dollar für ein einziges Studienjahr in der Kaderschmiede des amerikanischen Journalismus. Wer hier war, hat glänzende Aussichten auf einen Chefsessel und sogar den Pulitzer-Preis, eine der wichtigsten journalistischen Auszeichnungen. Verleger Joseph Pulitzer hat die Journalistenschule 1912 gegründet. Doch ausgerechnet er soll das journalistische Handwerkszeug nicht beherrscht haben.

David Klatell von der Columbia
Zwei Semester dauert die Ausbildung an der School of Journalism. Das Konzept ähnelt dem der Axel Springer Akademie: Auswahlverfahren mit Wissenstest und Arbeitsproben, viel Praxis, viel Crossmedia. Zur Präsidentenwahl erarbeiteten die 220 Studenten des aktuellen Jahrgangs eine Themenseite mit Texten, interaktiven Grafiken, Videos. Bei der vergangenen Wahl gab es noch ein Zeitungsprojekt. Die Studenten sind im Schnitt 28 Jahre alt, die Ältesten schon 50, viele Quereinsteiger.
Was Preise angeht, hat die Columbia Journalistenschule schon fast so etwas wie ein Monopol. Denn hier wird längst nicht nur der Pulitzer-Preis verliehen. Es ist so, als würde die Axel Springer Akademie nicht nur den Axel Springer Preis für junge Journalisten verleihen, sondern auch den Kisch-Preis, den Theodor-Wolff-Preis, den Grimme-Preis und noch ein paar andere dazu. Doch mit dem Namenspaten und Stifter des Pulitzer-Preises ist das so eine Sache, hört man hier.
David Klatell ist einer, der es wissen muss. Er unterrichtet an der Columbia Journalistenschule und war selbst oft bei den Jurysitzungen dabei. Es sei ein Preis für die Besten, sagt er. “Die Besten sind die, die eigene Wege gehen und eigene Themen finden.” Glück gehöre dazu, aber zuerst Fleiss und Geschick. Doch ausgerechnet Geschick soll Pulitzer selbst gefehlt haben. “Joseph Pulitzer war ein schlechter Journalist”, sagt Klatell. Laut Klatell habe es Pulitzer nicht geschafft, seine politischen Einstellungen rauszuhalten, ausserdem habe er wirtschaftliche Aspekte überbewertet. Und unter seiner Verantwortung sei die Seite Eins seiner Zeitung “oft richtig schlecht” gewesen, sagt Klatell. Unsterblich hat er sich trotzdem gemacht.
Margita Feldrapp
Autor: student Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | 1 Kommentar »


Am 8. November 2008 um 04:20 Uhr
[...] Unter anderem haben sie das Wall Street Journal und CNN besucht. Die Berichte mit einer kleinen Lobeshymne auf die Columbia Journalism School stehen im [...]