4.11.2008

Team 1 in New York (II): Vor der Magic Wall bei CNN

4.000 Mitarbeiter hat CNN weltweit und nein, man wird wegen der Rezession keine Kollegen entlassen. Im Gegenteil: Das Cable News Network (“Be the first to know“) stellt in naher Zukunft sogar noch Journalisten ein. “Ja, wir investieren noch in guten Journalismus“, sagt Ken Jautz, Executive Vice President von CNN International. Eine Person im Raum spitzt wohl dabei ganz besonders die Ohren: Sandra Maischberger.

Der Zufall wollte es, dass die Moderatorin und ihr Team unserer Gruppe angeschlossen wurden – keine Sonderführung für die Talker der ARD. Maischberger hatte sich dafür interessiert, warum man in den USA mit Nachrichtenfernsehen derart gutes Geld verdienen kann.

In Deutschland – sagt sie damit implizit – eher nicht. Aber wir erfüllen ihr den heimlichen Wunsch und auf unserem Film darf sie einmal vor der Kamera sagen: “This is Sandra Maischberger from CNN“. Vielen Dank dafür! So hat unser späterer Film unter Regie von Kollegin Gretemeier einen originellen Start.

Aber in den USA sind die Moderatoren eben mit großem Glamour umgeben. Gerade bei CNN. Zumindest ging ein bewunderndes Raunen durch unsere Gruppe, als wir vor dem Time Warner Building kurz vor neun auf Wolf Blitzer trafen, den Moderator des “Situation Room“. Er lief über die Straße – ein CNN-Basecap auf dem Kopf. New York, Stadt der Stars. Sie gebe nichts auf Berühmtheiten, sagt unsere Gastgeberin Frances Aun. Wir seien offenbar einfach noch “nicht zynisch genug“, wenn wir begeistert sind, dass auch Wolf Blitzer morgens einen Kaffee braucht, um wach zu werden. Sie trifft sie sowieso alle ständig auf den Fluren: Anderson Cooper, Larry King – Wolf Blitzer sowieso. “Ach, Anderson ist echt ein süßer Typ“, sagt Aun. Aha. Man duzt sich also hier bei CNN.

Auch ihren Vize-Präsidenten von CNN International, Ken Jautz, begrüßt sie mit “Hey Ken“. Wir sollen ihm harte Fragen stellen, sagt sie noch. Und in der Tat – unsere Frage nach dem plötzlichen Weggang des konservativen Starmoderators Glenn Beck hat ihn etwas überrascht. Schließlich hat Jautz seinetwegen viele verbale Schläge einstecken müssen. Und gerade zwei Wochen vor der Wahl verlässt Glenn Beck CNN für FOXnews, den größten Konkurrenten im Land… Jautz trägt es mit Fassung und sagt, Becks Wechsel habe rein finanzielle Gründe. Wie war das mit dem profitablen Nachrichten-TV?

Anyway. Den Rest des Besuches verbrachten wir damit, einmal auf Larry Kings Stuhl zu sitzen und durch den CNN-Newsroom zu laufen. Hunderte junge, gut aussehende und motivierte Journalisten… Oder waren die nur für unseren Redaktionsbesuch gecastet? Die perfekte Kulisse stand jedenfalls, einen Tag vor der Wahl: Im Studio (ganz “Red White and Blue“) hing das Schild „Balance of Power“ und riesige Buchstaben bilden die Worte “CNN Election Center“. Alles ist vorbereitet für den großen Tag, der jetzt noch ein offenes Ende hat. “Es kann um elf vorbei sein, aber auch mehr als 40 Stunden dauern“, hat Jautz angekündigt.

Und dann sehen wir auch die “Magic Wall“ – die Wand, an der am Wahlabend auf CNN die Grafiken hin- und hergeschoben werden können. Das ist also die Zukunft der Wahlberichterstattung. Das beeindruckt sogar das Team von der “Ey Ar Di“. Doch bevor die Blicke zu bewundernd werden, entdeckt Sandra Maischberger hinter dem Wahlstudio noch einen Kollegen: Peter Klöppel, der RTL-Anchor, umarmt sie herzlich. Küsschen, küsschen. So ein bisschen Heimat ganz in der Ferne. Da kann niemand mehr zynisch bleiben. Oder ist alles kein Zufall und die beiden waren hier zum Vorstellungsgespräch?

Sören Kittel

Autor: student Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | Keine Kommentare »

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