21.10.2008

GASTBLOG: Eine Ode an das deutsche Fernsehen

Neulich, am Bahnhofskiosk: Viel nackte Haut, mediokre bis schwachsinnige Überschriften; fragwürdige Geschichten und mindestens das 17. Mal, dass jemand titelt, Boris Becker kehre zu Babs zurück und wenn es jemand ganz doll treiben will, dann ist bei den beiden schon der nächste Bobs in Planung.

Neulich im Internet: Seiten, die mir unter irgendwelchen Vorwänden Mailadressen abluchsen wollen, Phisher und Pfuscher an allen Ecken, dazu allerhand Idiotisches, was mit Zeitverschwendung noch höflich umschrieben wäre. Neulich im Radio: ein Morningmoderator, dem jemand eventuell mal beibringen könnte, dass die Sendung nicht besser wird, wenn er seine Zuhörer permanent anbrüllt und die wenigen Pausen, in denen er gerade nicht brüllt, durch hysterieähnliches Lachen aufpeppt; ein Lachen, das bereits hervorgerufen wird, wenn einer der Hörer, die er gerade am Telefon hat, auf die Frage, wie es ihm gehe, mit „gut“ antwortet. Neulich im Fernsehen…
…soll ich noch weitermachen?

Nein? Wäre aber mühelos möglich. Man könnte ein paar Sätze verlieren über Atze Schröder, über Gaby Köster, über irgendwelche SAT1-Comedys, die so unlustig und belanglos sind, dass man ihre Namen schon wieder vergessen hat. Und über Olli Geissen, der wahrscheinlich auch ein Staatsbegräbnis mit Händen in der Hosentasche und dem Satz “schaunsemalhier“ moderieren würde. Und Kerner, ach herrje, hat da gerade jemand “Kerner“ gesagt?

Das alles könnte man. Aber man könnte auch über die unzähligen großen Momente schreiben, die das Fernsehen schon geliefert hat, über großartige Serien wie “Eli Stone“, “Stromberg“, “24“, über Stefan Raabs wunderbare Turmspringer-Events, über Erik Ode und den “Kommissar“. Aber dazu müsste man differenzieren, müsste man wahrscheinlich warten, bis sich der Pulverdampf verzogen und sich sogar Elke Heidenreich wieder beruhigt hat. Dann könnte man, ganz ohne Sondersendungen, darüber reden, was gut läuft im deutschen TV – und was eben nicht. Wenn man übrigens wie ich das Glück hat, im sehr grenznahen Raum zu leben und regelmäßig beispielsweise den ORF zu sehen, dann stellt man fest: so viel ist es gar nicht, was bei uns schief läuft.

Kurz gesagt: So lange jemand über “das“ Fernsehen mit seinen mittlerweile Dutzenden Kanälen redet, dann ist das in etwa so relevant, wie wenn jemand über “die“ Presse redet. Oder, noch besser und sehr beliebt: über “das“ Internet.

Christian Jakubetz

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Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | Kommentare deaktiviert

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