30.9.2008

GASTBLOG: Links zu klugen Gedanken über das Verlinken

Im Grunde genommen sind Hyperlinks das wichtigste medienspezifische Leistungsmerkmal des Internet. Umso erstaunlicher, dass die Webseiten der meisten klassischen Medien den nicht-linearen Hypertext sehr stiefmütterlich einsetzen.

Verlinkungen – egal ob intern ins Archiv oder extern auf fremde Seiten – sind in Deutschland immer noch die Ausnahme. Deswegen: Links zu klugen Beiträgen über das Verlinken.

Jacob Nielsen
Jacob Nielsen, die ultimative Instanz bei Fragen zur Usability von Webseiten, gibt uns Hinweise, wie Links im Text dargestellt werden sollten. Dabei weniger um den Inhalt als um das Design und die Benutzerfreundlichkeit von Links. Einige wichtige Regeln:
- Um ihre Klick- und Sichtbarkeit zu maximieren, sollten Links eine eigene Linkfarbe erhalten und (typischerweise) unterstrichen sein.
- Links zu unterschiedlichen Quellen sollten nicht aneinandergequetscht werden, wie überhaupt der verlinkte Hypertext nur einen sehr kleinen Anteil am Gesamttext haben sollte.
- Wenn Links gesetzt werden, ist es benutzerfreundlicher, nur wenige Schlüsselwörter zu verlinken – und nicht den gesamten Satz.

Weitere Hinweise gibt es zum Beispiel in Nielsens Aufsatz Guidelines for Visualizing Links.

Burkhard Schröder
Inhaltliche Fragen des Verlinkens stehen bei Burkhard Schröder im Fokus, der sich in seinem Telepolis-Beitrag Project Xanadu reloaded zum Beispiel sehr detailliert mit der Frage beschäftigt, welches Wort einer journalistische Quelle genau verlinkt werden sollte – und welches nicht. Das ist pingelig – weil notwendig.

Außerdem behandelt Schröder praktische Grundsatzfragen wie:
- Wann dürfen Journalisten die Wikipedia verlinken?
- Warum sollte kein Link auf Google Earth gesetzt werden?
- Oder: Wie verhält es sich mit Links auf Websites mit justitiablen Inhalten?

Für mich der ergiebigste deutschsprachige Beitrag zu diesem Thema!

Robert Niles
Die Frage, wo und wie ein Hyperlink gesetzt werden sollte, beantwortet auch Robert Niles (Online Journalism Review) in seinem Beitrag How, and where, to hyperlink within a news story. Niles identifiziert drei Gründe, die einen Link legitimieren:

  1. als Quellennachweis
  2. um Kontext herzustellen
  3. als “Easter Egg”, das eine kleine Pointe zündet

Scott Karp
Eine spannende These formuliert Scott Karp, Autor des großartigen Medien-Blogs Publishing2, in seinem Posting Links as News, Links as Reporting:

“Links aren’t just a fundamental element of the reporting. Links can BE the reporting.”

Damit beschreibt Karp einen Online-Reporter, wie ihn zum Beispiel Matt Drudge verkörpert, der schneller als viele andere spannende Themen identifiziert und den besten Content dazu im Netz aufstöbert. Seine Nachrichtendienst, der Drudge Report, besteht nur aus Links – zu fremden Websites.

Jeff Jarvis
Einen radikalen (und vielfach zitierten) Ansatz verfolgt Buzzmachine-Autor Jeff Jarvis: Cover what you do best. And link to the rest. Jarvis adressiert diese Handlungsempfehlung insbesondere an (Regional-)Zeitungen, die sich im knüppelharten Wettbewerbsumfeld der Online-Welt auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren sollten: Was macht ein Medienhaus einzigartig? Wo ist es besser als alle anderen? Jarvis empfiehlt Tageszeitungen, sich von der Strategie, ein Alleskönner zu sein, zu verabschieden:

“In the age of the link, this is clearly inefficient and unnecessary. You can link to the stories that someone else did and to the rest of the world. And if you do that, it allows you to reallocate your dwindling resources to what matters, which in most cases should be local coverage.”

Bereits in der zweiten Hälfte der 90er Jahre, also in der Kreidezeit des WWW, haben die Heise-Medien Telepolis und heise.de konsequent Hyperlinks in ihren Beiträgen gesetzt. Bis heute sind ihnen in Deutschland nur wenige gefolgt. Wobei: Ganz am Anfang waren auch die Hyperlinks von Telepolis nicht anklickbar. Vielmehr wurden sie als sperriges http-Gerümpel in den Fließtext gepresst- wie dieses Telepolis-Essay aus dem Dezember 1996 dokumentiert.

Irgendwie charmant und liebenswürdig!

Markus Hofmann

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Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | Kommentare deaktiviert

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