18.3.2008

GASTBLOG: Wie Journalisten Social Bookmarking nutzen können

In den Sozialen Netzwerken des Web 2.0 kann man wunderbar viel Zeit verplempern. Daneben bietet das zweite Web aber auch Werkzeuge, mit denen man die Qualität und Effizienz der eigenen Arbeit steigern kann. Zum Beispiel Social Bookmarks.

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Wie Journalisten davon profitieren können:

Lesezeichen-Communitys wie Delicious, Mr. Wong oder Magnolia sind gigantische Wissensspeicher. Wer dort den Link einer Website archiviert, hat vorab eine wichtige Selektionsentscheidung getroffen: Die Seite ist auf irgendeine Weise nützlich – und unterscheidet sich damit von der Masse an binärem Datenmüll, die im Netz allgegenwärtig ist. Jedes soziale Lesezeichen ist somit eine Empfehlung: Das könnte wichtig sein, schau dir das mal an!

Ich persönlich nutze soziale Bookmarkdienste fast täglich bei meiner Arbeit, und zwar in unterschiedlichen Funktionen:

1) zur gezielten Recherche
2) zur Beobachtung von Themengebieten
3) als Quelle für neue Themen

1) Recherche
Bei einer Online-Recherche geht es immer darum, nicht irgendwelche Quellen zu finden, sondern die wichtigsten. Die oft zitierte “Weisheit der Masse” – bei Bookmarkdiensten funktioniert sie gut. Beispiel: Angenommen, ich möchte mich über die wichtigsten Plugins für das Blog-CMS WordPress informieren. Delicious ist dabei ein großartiges Werkzeug. Die Trefferliste dieser Delicious-Suche exponiert jene Webseiten ganz oben, die auch andere User als wichtig eingestuft haben – Kostbares zuerst. Bookmarkdienste arbeiten somit ein bisschen wie Trüffelschweine, die versteckte Delikatessen aufspüren.

2) Themengebiete scannen
Wer als Journalist ein bestimmtes Themengebiet betreut, muss sich auf dem Laufenden halten. Bookmarkdienste können dabei helfen, indem sie zwei entscheidende Fragen beantworten: Was ist wichtig? Was ist neu? Ich beschäftige mich zum Beispiel kontinuierlich mit nationalen und internationalen Medienmärkten. Das macht auch der geschätzte Kollege Thomas Mrazek, der lesenswerte Online-Fundstücke zu diesem Thema auf Delicious mit anderen Usern teilt. In meinem Netvibes-Profil (Screenshot) habe ich Mrazeks-Delicious-Feed abonniert – und erhalte dadurch viele Empfehlungen zu klugen Artikeln. Herzlichen Dank!

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Ein anderes Beispiel: Wenn ich kontinuierlich darüber benachrichtigt werden möchte, wenn irgendein User ein neues Lesezeichen zu einem für mich wichtigen Thema archiviert, dann kann ich auf Delicious einen RSS-Feed zu diesem Thema abonnieren. Konkret geschieht dies über Tags. Dieser Screenshot zeigt zum Beispiel die aktuellsten Delicious-Bookmarks zum Tag “Berlin”.

tag_berlin.jpg

Dergestalt kann ich gezielt Themengebiete scannen, ohne dafür selber im Internet recherchieren und Zeit aufwenden zu müssen. Praktisch!

3) Themenquelle
Wenn wir in der fudder-Redaktion nach Themen suchen, lasse ich mich oft von den Lesezeichen-Empfehlungen der Bookmarkdienste inspirieren. Oft lande ich dann bei irgendwelchen Blogs, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Mit ein bisschen Fantasie findet man einen Zugang für das eigene Medium. Besonders ergiebig sind die Dienste Stumble Upon, Reddit und das Social-News-Monster digg.com.

Ein weitere Vorteil der Lesezeichendienste ist trivial: Die online gespeicherten Bookmarks sind ortsunabhängig im Netz greifbar. Ich muss gestehen: Ich persönlich pflege meine Lesezeichen trotzdem lokal und damit überhaupt nicht sozial – für mich ist das vor allem eine Frage der Effizienz. Meine Bookmarks (es sind tausende) sind mein Backup-Brain, das ich täglich dutzendfach nutze. Ich habe ihre Verwaltung mit dem Firefox im Laufe der Jahre so weit optimiert, dass es für mich (noch) ineffizient ist, mit ihnen ins Netz zu wechseln. Ein klassischer Lock-in-Effekt. Shame on me!

Linkempfehlungen:

- Video: Was ist eigentlich Social Bookmarking?
- Digidave.org: Social Bookmarking for Journalists
- Mashable.com: 180+ Del.icio.us Tools and Resources
- Viralandbuzzmarketing: Die 29 wichtigsten deutschen Social Bookmarking Sites
- Lifehack.org: Top 10 Ways to use Del.icio.us

Markus Hofmann

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | 2 Kommentare »

2 Kommentare zu “GASTBLOG: Wie Journalisten Social Bookmarking nutzen können”

  1. Thomas Mrazek

    Vielen Dank für die freundliche Erwähnung. Ich habe vor knapp drei Jahren mal einen ähnlichen Beitrag (“Netzwerken: Das Netz als Arbeits- und Lebensraum für Journalisten”) geschrieben, damals waren die Mittel natürlich noch bescheidener. Bei RSS-Feeds bin ich übrigens mittlerweile fast der gleichen Meinung wie Christian Jakubetz: Es geht auch ohne!

    Freilich, aber wem sag’ ich das, lohnt es sich immer, mal dieses oder jenes Tool auszuprobieren. Mit del.icio.us arbeite ich erst seit sechs Wochen – sehr zu empfehlen (http://www.furl.net/member/netzjournalist)! Seit knapp drei Jahren nutze ich FURL, vor allem für nichtöffentliche Recherchen eignet sich das hervorragend (mein halböffentliches Archiv dort enthält rund 4000 leicht zu durchzusuchende Artikel). Was mir noch fehlt ist freilich das “Über-Werkzeug”, dass alles wunderbar miteinander synchronisiert und vielleicht auch “irgendwie” etwas zum Datenschutz (haha!) beiträgt.

  2. Thomas Mrazek

    Ops, falsche Link, statt http://www.furl.net/member/netzjournalist sollte es heißen: http://del.icio.us/Onlinejournalismus