25.12.2007

GASTBLOG: Die sechs W des Online-Journalismus

In der Print-Welt endet die Produktion eines Artikels mit seiner Veröffentlichung. In der Online-Welt geht’s dann erst richtig los – weil nun die User am Zug sind. Sie können Online-Inhalte kommentieren, verlinken, twittern, Freunden empfehlen, bewerteten, mashen, in Blogs zitieren oder nach verwandten Inhalten suchen.

Paul Bradshaw, Dozent an der School of Media in Birmingham und kluger Autor des Online Journalism Blogs, hat vergangenen Monat ein interessantes Modell veröffentlicht, das Internetnutzer systematisch motiviert, nach der Lektüre einer Story aktiv zu werden:

“Five W’s and a H that should come after every story”. Was davon zu halten ist:

Mit wem kann ich Kontakt aufnehmen?
Vielleicht benötigt ein Leser nach der Lektüre eines Beitrags vertiefende Informationen von einem Experten. Vielleicht möchte er mit einem Protagonisten Kontakt aufnehmen. Bradshaw empfiehlt, diesen Link anzubieten – zum Beispiel über Facebook-Profile oder MySpace-Seiten.

Welche Quellen hat der Autor genutzt?
Für Bradshaw genauso unverständlich wie für mich: Die meisten Nachrichten-Websites verzichten darauf, externe Quellen zu verlinken. Blödsinn! Bradshaws Modell zwingt Online-Redakteure dazu, Links zu setzen. Ja, bitte!

Wo ist das passiert?
Ein Service, mit dem gegenwärtig viele Seiten experimentieren: Geocodierte Inhalte auf Landkarten wie Google Maps. Trotz der Schwächen des Geo-Taggings rät Bradshaw zu Recht: “Wir sollten das beobachten und lernen.” Finde ich auch!

Wann finden ähnliche Ereignisse oder Veranstaltungen statt?
Manche Online-Veranstaltungskalender bieten ihren Usern Tools an, eigene Events in einen Kalender einzutragen – oder Events, die sie für wichtig halten, in einen eigenen Terminkalender zu exportieren. Ob dieses Feature – wie von Bradshaw vorgeschlagen – auch bei redaktionellen Beiträgen angeboten werden muss? Für mich ist das ein bisschen too much…

Warum betrifft mich das?
Welche Auswirkungen hat die Anhebung der Einkommenssteuer auf mich? Wie wirken sich die steigenden Lebensmittelpreise auf meinen Geldbeutel aus? Bradshaw will Online-Beiträge konsequent mit Datenbanken (Steuerrechner, Inflationsrechner) verlinken, damit ein User ganz individuell analysieren kann, in welchem Maße ihn ein Thema betrifft.

Wie kann ich was daran ändern?
Diesen letzten Punkt finde ich persönlich naiv, ich erwarte solche Features eher auf der Seite eines Bürgerbegehrens als auf einer Nachrichten-Website. Wie auch immer: Bei so manchen politischen Themen habe ich mir schon einen eMail-Generator gewünscht, der automatisiert Motz-Mails an Abgeordnete schickt…

Bradshaws Modell mag in manchen Punkten etwas holzschnittartig sein. Es mag auch ein bisschen in Featuritis ausarten. Trotzdem hat das Framework für mich Charme, weil es den Autor bei der Produktion eines Beitrags systematisch darauf hinweist, wie wichtig es ist, Kontext herzustellen. Denn Kontext erzeugt Klicks. Diese Klicks können einen User auf die eigene Website führen – meistens werden sie es aber nicht. Dann ist der User weg, doch er wird wieder kommen. Weil er erkennt, dass diese Website nicht kurzfristig ihre eigenen Klicks, sondern den Nutzen ihrer Leser maximieren möchte.

Markus Hofmann

Nachtrag von JEPBLOG: Hier geht’s zum geheimen Weihnachtsvideo der fudder-Redaktion (Markus Hofmann ist der sympathische junge Mann im Schornstein…).

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Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | 7 Kommentare »

7 Kommentare zu “GASTBLOG: Die sechs W des Online-Journalismus”

  1. Julien Wolff

    Ein W fehlt mir:
    Warum wünscht der JEP-Blog seinen Lesern keine frohe Weihnachten?

    Jede Zeitung tut das doch.

    Ich zumindest wünsche dem Macher/den Machern des Blogs eine besinnliche und geruhsame Rest-Weihnachtszeit. Und nutze die freien Stunden, um mir Gedanken zu machen über die Frage: Wird JEP bzw. der JEP-Blog uns einen guten Rutsch wünschen?

    P.S: Ja, ich gebe es zu: Mir ist ein kleines bisschen langweilig.

  2. jep

    @ Julien Wolff

    1. Das jepblog ist keine Zeitung.

    2. Fröhliche Weihnachten!!!

  3. AM

    @ Julien Wolff:

    Mei, eigentlich haben Sie Recht. Und bestimmt waren Sie auch nur deshalb gestern Abend im Blog unterwegs, um Ihr Vorurteil eines entseelten Web-Produkts bestätigt zu finden. *schäm* (Vor allem angesichts der WK-Titelseite von Heiligabend.) Okay: Frohe Weihnachten!

    Ps.: Für alle Blogbesucher, die nur fast zu Ende recherchieren: Am Ende des Videos, das wir am 25.12. online gestellt haben, wünschen wir – vetreten durch den Gastblogger vom Dienst – selbstverständlich frohe Weihnachten. ;-)

  4. Julien Wolff

    @ JEP:
    AM: “Eigentlich haben Sie Recht”

    HA! Da haben wir es!

    @ AM:
    “Am 25.12. online gestellt…am Ende des Videos”
    Das sind gleich zwei (!) Einschränkungen :-)

    Anerkannte Beobachter behaupten, ich gehe als Gewinner aus diesem Weihnachts-Blog-Beitrag.

  5. AM

    @ Julien Wolff:

    Lassen Sie mich raten: Einer der Beobachter lässt einen an die Nibelungen denken? Und nachdem ich soeben erfahre, dass Sie heute nicht wirklich viel zu tun haben, gleich noch einen drauf gesetzt:

    Wann genau beginnt Weihnachten? Nicht vielleicht erst am 25.12.?

    Sie haben Ihre anerkannten Beobachter. Ich das letzte Wort. ;-)

  6. Julien Wolff

    Man muss auch mal gönnen können. Und Ihnen natürlich von Herzen. Das letzte Wort sowieso ;-)

  7. jepblog » Blog Archive » Weil Rosenmontag ist…

    [...] ehe es wieder Beschwerden [...]