15.8.2007

Web 2.0 – das war’s?

Noch gewinnt “Web 2.0″ klar mit 313:2. Das jedenfalls ist das aktuelle Kräfteverhältnis bei Google, wenn man die Modewörter Web 2.0 und (ganz hipp, weil noch schwammiger) “Web 3.0″ gegeneinander antreten lässt. Über die Relevanz von Medienkonvergenz oder die Zukunftsfähigkeit von Trends wie Blogging und Podcasting sagt das nicht allzu viel aus. Doch das Ergebnis zeigt zumindest an: Web 2.0 hat den Avantgarde-Status hinter sich, obwohl sich die Mehrheit der Journalisten noch immer nicht sicher ist, worum es sich eigentlich handelt und – viel entscheidender: WARUM man das eigentlich überhaupt wissen sollte.

Schön illustriert wird das jetzt durch die neue media studie “2.0 und dann?“, bei der die Mehrheit von knapp 1.200 Journalisten selbstbewusst zu Protokoll gab, Web 2.0 habe lediglich geringe (52%) der gar keine Relevanz (9%) für die journalistische Arbeit.

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“Relevanz von Web2.0 für die journalistische Arbeit”

Wer mit der Schrotflinte (“Ich hab’s schon immer gewusst!”) auf das Sammelsurium an Anwendungen schießt, wird auch garantiert viel Müll treffen. Andererseits (hier kommt die Kehrtwende, die meinen Arbeitsplatz sichert): Ich fürchte, es juckt zunehmend wenig Leute, was Journalisten für relevant halten. Laut JIM 2006 erklären gerade einmal 2% aller Jugendlichen, sie könnten im Medienmix am wenigsten auf die Zeitung verzichten. PC und Internet kommen zusammen auf rund 50%.

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Und wer jetzt glaubt, am PC werde ja letztlich nur gespielt: Darauf verwenden junge Online-Nutzer nur 17% ihrer Zeit, Information kommt auf 23%, der Rest nennt sich Kommunikation und führt zum nächsten spannenden Punkt, nämlich dem Ende der Linearität in der Kommunikation. Einige Medienstrategen verabschieden sich deshalb bereits vom Begriff “Zielgruppe”, weil diese monodirektionale Vorstellung veraltet ist.

Und jetzt entscheiden Sie selbst: Hat sich “Web 2.0″ allmählich totgelaufen? Oder haben’s die meisten Journalisten einfach (noch) nicht kapiert?

Ansgar Mayer

Autor: amayer Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | 4 Kommentare »

4 Kommentare zu “Web 2.0 – das war’s?”

  1. Ronnie Grob

    Wer das existente Web 2.0 mit einem noch nicht definierten Web 3.0 vergleicht, will damit wohl sagen, dass das eine wie das andere inhaltsleere Begriffe sind. Das kann gut sein, dennoch produzieren unzählige User täglich Inhalte, die sogar dann und wann von anderen Usern wahrgenommen werden. Ob sich da ein Begriff totläuft oder nicht, ist diesem Vorgang eigentlich egal. Wer übrigens eine Zeitung von vorne bis hinten liest, “wird auch garantiert viel Müll treffen”.

  2. Thomas Wanhoff

    Weil Journalisten das Web 2.0 nicht nutzen, sollte es nicht wichtig sein? Unsere Berufsgruppe ist das personifizierte Konservative in toto. Um es überspitzt zu sagen: Journalisten sind nicht als erste vom Baum gestiegen, um aufrecht zu laufen. Sie blieben noch eine Zeitlang oben und berichteten. Meist fragten sie dabei die Baumaffen, was sie davon halten :-) (Wer daraus den Schluss zieht, ich würde Journalisten als Affen bezeichnen, hat nichst, aber auch gar nichts verstanden…)

  3. AM

    @ Thomas Wanhoff:
    Danke für die Distanzierung am Schluss, ich dachte schon… ;-) Wobei sich dann auch das Wortspiel “Klammeraffe” aufdrängt, schade, dass sich der Begriff nicht gehalten hat.

  4. Andreas Skowronek

    @ Thomas Wanhoff:

    Wer daraus den Schluss zieht, ich würde Journalisten als Affen bezeichnen, hat nichst, aber auch gar nichts verstanden…

    Hmmh … Und was wenn der Begriff “Affe” nur ein Synonym für “Eitelkeit” wäre?

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