14.8.2007

GASTBLOG: Any news?

Heute morgen, 7.30 Uhr: Ich habe keinen Fernseher zur Hand, habe aber auch keine Lust, auf die volle Stunde der Radionachrichten zu warten und online lesen mag ich auch nicht, das macht bei viel Text keinen Spaß. Da wir ja jetzt das Multimedia-Web haben, flugs mal einen kleinen Newscheck gemacht: Wer bringt mir die TV-News am schnellsten ins Internet?

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Die Tagesschau: hat die 6 Uhr Sendung parat und verweist zum Live-Stream der 7.30 Uhr Sendung

ZDF: Hat nur die heute-Sendung von gestern in der Mediathek.

n-tv: Ich finde nicht die letzte Sendung, sondern nur einen Livestream und Einzelvideos. Im Podcast ist auch nur die letzte Morgensendung.

Bei RTL muss ich mich eine Zeit lang etwas durchklicken, bekomme dann aber einen 6 Uhr Newsflash.

Bei Sat 1 finde ich nichts (mehr?)

Bei n24 finde ich nur Einzelvideos, eher ältere übrigens

Genau hier können ja eigentlich auch die Verlage ansetzen: Nicht umsonst hat ja die Welt einen Fast-rund-um-die-Uhr-Newsroom mit Videoplatz. Deshalb mal ein Blick zu den Zeitungs- und Zeitschriftenhäusern.
Die Welt hat das letzte Newsvideo am Vortag reingestellt, Spiegel hat Berichte vom Vortag.

Peinlichkeit bei Focus: “Ständig aktuell – die Themen des Tages” steht auf der Internetseite zu lesen – mit einem Bericht von 17.29 Uhr. Frankfurter Neue Presse (stellvertretend für alle Zoom-in-Kunden): Berichte vom Vortrag.

Eindeutiger Gewinner ist die Tagesschau, die das Thema Nachrichten und Online ohnehin am besten umsetzt. Das ZDF enttäuscht: Große Worte des Intendanten, aber wie ich aus Mainz erfahren habe scheitert es wohl auch an der Manpower, die die Videos streamen soll.

Es mag sein, dass 7.30 Uhr noch früh ist. Es mag auch sein, dass man sich bei den Videos an den Hauptnutzungszeiten – die fast deckungsgleich mit den Bürozeiten sind – orientiert. Aber die kleine Analyse offenbart eines: Multimedia im Internet ist bei den Nachrichtenseiten noch immer ein Anhängsel. Das Internet ist für sie vor allem ein Textmedium.

Das mag nicht notwendigerweise falsch sein: Noch ist das Videosehen übers Netz nicht sonderlich ausgeprägt. Gerade mal 4,5 Minuten hält es einen Nutzer bei Sevenload. Meistens rät man Videoanbietern, nicht über 3 Minuten zu gehen.

Nur: Wenn ich jetzt nicht den Kunden meiner Seite Video anbiete, muss ich sie später wieder zurückholen. Dann nämlich, wenn sie längst auf anderen – multimedialen – Plattformen sind und sich dort informieren. Nicht umsonst haben sich RTL und ProSiebenSat1 jeweils die großen Portale gesichert. Lediglich Sevenload arbeitet mit Burda zusammen. Obwohl alle das Hohelied der Multimedia singen, ist die Umsetzung gerade bei den Zietungsverlagen noch immer dürftig.

In einem aber muss man die Verlage in Schutz nehmen: Sie bekommen zu einen frühmorgens noch kaum ausreichendes Bewegtbildmaterial, zum anderen ist dies auch eine Frage von Ressourcen. Wer mag schon zwei oder drei Schichten an Anchor-Männern oder -Frauen bezahlen?

Weitgehend unterschätzt wird übrigens Audio: Hier könnten Verlage noch einfacher und kostengünstiger operieren, man scheint sich aber doch eher aufs schnelle Videogeschäft zu stürzen. Ob das auf lange Sicht gut ist, wage ich zu bezweifeln. Gerade weil es kaum noch gesetzliche und technische Hürden gibt, können die Verlage sich ein Stück des Multimediakuchens holen. So, wie auch die Radio- und TV-Sender mit ihren Onlineportalen im “Textgeschäft wildern”.

Thomas Wanhoff

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Blattkritik, Zukunft des Journalismus | 2 Kommentare »

2 Kommentare zu “GASTBLOG: Any news?”

  1. upps

    Endlich mal ein Audio-Fan in der bild-geilen Medienwelt, toll!

    In Zeiten von Bildbearbeitungs-Programmen, mit denen selbst Laien aus ehemaligen “Beweisdokumenten” Fakes erstellen können, ist den Fotoreportern nicht mehr als Überbringer der Wirklichkeit zu trauen. Somit verliert (das) Bild seinen Vorsprung als Verkünder der Wahrheit gegenüber textbasierten Medien, in denen der Autor natürlich immer auch persönliche Sichtweisen zum Ausdruck bringen kann und die somit unter dem Generalverdacht der “Meinungsmache” stehen.

    Gleichzeitig fehlt es in unserer schnelllebigen Zeit häufig an Ruhe und Raum, um ausladende Zeitungsformate zu studieren. Deshalb sehe ich auch in der Berichterstattung in Form “gesprochener Nachrichten”, die nichtlinear (also von Programmabläufen unabhängig) als Tondokument mit Handy oder mp3-player vom Interessenten abgerufen werden, eine sinnvolle Ergänzung im Newsgeschäft.

    Man kann sich mit jedem Sinnesorgan nur auf eine Aufgabe gleichzeitig konzentrieren und deshalb z.B. nicht beim Autofahren noch Zeitung lesen, weil das Auge auf die Straße zu achten hat. Beim Autofahren aber Radiohören ist möglich und millionenfach bewährt,weil hier nicht das Auge sondern das Ohr angesprochen wird. ;-)

    Deshalb frage ich mich, warum die Verlage ihre Zeitungen nicht auch als Sprachdatei anbieten? Das wäre eine logische Konsequenz aus der verzweifelten Suche der Manager nach größtmöglichem Einsparpotenzial: statt teurer Druckpressen in riesigen Hallen und betreuungsintensiver Zustell-Logistik bräuchte man nur einige angenehme Stimmen, die jede Nacht nach Redaktionsschluß die Meldungen der aktuellen Tageszeitung vorlesen und einen Computerfreak, der die mp3-Datein anwenderfreundlich zusammenschneidet.

    Dann wird das ganze entweder im Abo aufs Handy geschickt oder als Speicherstick im Pfandsystem (neuen holen und alten zurückgeben) beim Kiosk gekauft. Und für kostenbewußte Zeitungshörer gäbe es noch eine Version mit unrhythmischen (also nicht vorhersehbaren) Werbeeinblendungen nach Art der Radiowerbung. Laut der Studie „Awareness Multiplier“ beträgt die Kosteneffektivität von Radiowerbung ein Vierfaches der des Mediums Fernsehen. Oder, wie das Radio selbstbewußt ihre Werbung promotet “geht ins Ohr, bleibt im Kopf”. ;-)

    Wichtig ist bei diesem Konzept vorallem der Qualitätsanspruch. Man wird von morgens (Frühstücksfernsehen) bis zum Feierabend (youtube) mit unwichtigem und austauschbarem vollgepumpt, sodass man beim Schlafengehen nicht mehr weiß, was wirklich von substanzieller Bedeutung war. Deshalb muß die Audio-Zeitung nicht nur informativ sondern geradezu investigativ sein und komplizierte Sachverhalte verständlich und lebendig darstellen können. Sie müßte so zusammengestellt sein, als ob alle Radiosender ihre interessantesten Berichte eines Tages als Compilation aus ein Band schneiden.

    Auch dürften ihre Redakteuer nicht den Fehler machen, sich als Konkurrenzprodukt zum Radio zu verstehen, denn dem wären sie an Aktualität natürlich unterlegen. So eine Audio-Zeitung müsste mit dem Selbstbewußtsein verkauft werden, sich nicht durch den Internet-bedingten Wegfall von Zeit und Raum in Sekundenschnelle von einer News zur nächsten hetzen zu lassen, sondern DIE Meldungen des vergangen Tages zu Gehör zu bringen, die für den kommenden Tag noch von Bedeutung sein werden.

    Eine solche “Ton-Tafel” müsste ihre potenziellen Zuhörer von dem “Mehrwert” dieser Nachrichtenübermittlung gegenüber anderen News-Medien überzeugen, der sich nach dem Motto “Zeit ist Geld” aus der Zeitersparnis durch die optimierte Verknüpfung der Informationsaufnahme mit anderen Tätigkeiten wie U-Bahn-Fahren oder Wartezimmer-Aufenthalten ergibt.

    Diese Synergie ist DER entscheidende Vorteil der nichtlinearen Audio-News: man kann den Zeitpunkt, den Ort und die Meldungsauswahl individuell bestimmen und hat gleichzeitig im wahrsten Sinn des Worts noch den Blick frei für Routineaufgaben wie Autofahren oder Einkaufen.

    Beim Nachrichten-Gucken im Fernsehen ist man orts- und zeitgebunden / beim Radiohören zwar räumlich beweglich aber vom Programmplan abhängig / im Internet hat man zwar alle Meldungen weltweit jederzeit verfügbar aber es fehlt die Übersichtlichkeit / die Zeitung (Papier oder Online) bietet zwar dank Vorauswahl eine relativ schnelle Informationsaufnahme bedient sich aber der optischen Reizverarbeitung, sodass unser Auge für andere wichtige Aufgaben in dieser Zeit ausfällt.

  2. Thomas Wanhoff

    Die Zeitung als Sprachdatei gibt es schon – per Readspeaker vom Computer vorgelesen, oder wie bei der Zeit von professionellen Sprechern. Das Problem dabei: Das ist nicht wirklich spannend zuzuhören. Die Texte wurden fürs Lesen geschrieben, nicht fürs Hören. Dass einige Angebote passable Downloads haben, liegt daran, das es derzeit keine besseren Angebote gibt und der User eben nehmen muss, was er bekommt.

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