13.8.2007

Auf der Couch mit Judy Winter

Überraschungsgast an der Axel Springer Akademie: Im Interview-Seminar stellte Dozent Karsten Huhn Team 2 schon am ersten Tag vor eine ernste Aufgabe – Interview vor laufender Kamera. Unser “Übungsobjekt”: Schauspielerin Judy Winter. Aber wie stellt man einer 63jährigen Lady unangenehme Fragen?

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Wunderfragen, Katastrophenfragen, Motivfrage oder Provokation – wie baue ich ein Interview auf? Wie geht man mit schwierigen Gesprächspartnern um? Wie funktioniert das mit der Autorisierung? Der Vormittag im Interview-Kurs mit Karsten Huhn (u.A. DIE ZEIT) begann erwartungsgemäß eher theorielastig. Bis zur Ankündigung: “Sie werden heute Nachmittag Ihr erstes Interview vor der Kamera führen, Interviewpartnerin ist die bekannte deutsche Schauspielerin Judy Winter.” Judy WER? WIR vor der Kamera??? Aufgeregtes Getuschel und hektisches Geklapper auf den Tastaturen: “Ah, das ist doch die fiese Nonne aus “Neues vom WIXXER”.” “Hat irgendwer “Reifezeugnis” gesehen?”. Okay, den Namen kannte ich auch, aber zu bekannten Namen gibt es immer auch ein paar bekannte Geschichten. Nachfrage bei einer anderen Generation: “Papa, kennst du Judy Winter?”

Mit ersten Recherche-Ergebnissen zogen wir uns in drei Gruppen, jeweils zu sechst zur Beratung zurück. Eine halbe Stunde hatte sich Judy Winter pro Gruppe Zeit genommen, meine war die letzte und das Thema keins, mit dem man sich Freunde macht: Wie geht man als Schauspielerin in ihrem Alter mit dem Jugendwahn um?

16 Uhr. Showtime für Gruppe Drei. Freundliches Lächeln, schlichte Kleidung, rote Aids-Schleife statt Diamanten. Bis auf die langen, feuerroten Fingernägel hat sie nichts von einer Diva. Für mich und die meisten anderen ist es eine Premiere, gefilmt zu werden. Ein Interview vor der Kamera hat noch niemand geführt. Wir tasten uns schüchtern vor, stellen Fragen nach einer Autobiografie, Karriere und der geplanten “Reifezeugnis”-Fortsetzung. Dann kommen die heiklen Fragen nach Schicksalsschlägen, Enttäuschungen und eben Schönheits-OPs. Wir sind überrascht: Unsere Gesprächspartnerin beantwortet fast alles und auch unsere Vorgänger haben ihr nicht die Lust genommen, uns etwas beizubringen, uns “ein paar Klicks im Kopf aufzumachen”, wie sie sagt. Gut, Fragen nach schmerzhaften Erlebnissen und dem Grund, warum aus Beate Richard “Judy Winter” wurde, blockte sie trotz mehrfacher Nachfrage ab, aber insgesamt haben wir spannende Antworten bekommen – fanden wir jedenfalls selbst.

Am nächsten Tag Analyse der Interview-Videos, die Wahrheit kam ans Licht. Tatsächlich hatten alle Gruppen den Gesprächsschwerpunkt auf das Thema Alter gelegt. Judy Winter bestätigte per Videobotschaft: Auch bekannten Schauspielerinnen kann man heikle Fragen stellen. Kollege Daniel Peters ist übrigens durch seine Beharrlichkeit ihr neuer Liebling geworden und werde mal “ein ganz Großer”. Interview-Fazit Team 2: Gute Vorbereitung ist das A und O! Keine Scheu vor unangenehmen Fragen! Und: Gnadenlos nachfragen lohnt sich – auch wenn es Überwindung kostet.

Nora Wolfslast

Autor: student Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Gäste der Akademie | 1 Kommentar »

Ein Kommentar zu “Auf der Couch mit Judy Winter”

  1. kbauer

    Das Altern als Problem zu betrachten ist eine typische Unterstellung der Jugend. Schicksalsschläge, Enttäuschungen und Schönheits-OPs sind die sensationslüsterne Seite eines Interviews. Aber wie reagiert sie auf Fragen nach ihrem Image als alternde Diva? Amüsiert sie diese Einschätzung? Mir scheint Frau Winter hat als erfahrener Medienprofi die jungen Fragesteller durch ihre Offenheit auf Standardfragen sowie gezieltes Lob sicher durch das Gespräch gelenkt.

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