25.7.2007

Ich muss das mal loswerden

Zu Recht weist der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe darauf hin, dass man bei allem Unverständnis für den jüngsten Kahlschlag bei Sat.1 (immerhin, dort gab es noch was zu schlagen) doch bitte die Kirche im Dorf und Magazine wie “Sat.1 am Mittag” im Reich von Boulevard und Unterhaltung belassen solle, ohne sie jetzt aus Gründen der Argumentation plötzlich zu journalistischen Newsformaten aufzuhübschen.

Ich möchte aber die Gelegenheit nutzen, einen letzten Rest der Sat.1-Magazinschiene zu loben, nämlich das Frühstücksfernsehen.

Nein, der Journalismus ist auch dort dünn gesät, sehr dünn. Aber dem Moderatorenteam von Sat.1 gelingt, was zeitgleich und zumindest in den ARD-Wochen immer wieder auf’s Neue bei den öffentlich-rechtlichen Kollegen voll daneben geht: Souverän, natürlich und somit professionell durch die Sendung zu kommen.

Nehmen wir nur die unvermeidliche, von den US-Kollegen inspirierte Schlussrunde, bei der alle ARD-Moderatoren in fröhlicher Runde pünktlich um 8.57 Uhr auf der Couch landen, um kollektives Fremdschämen einzuleiten. Heimliches Credo: “Wir mögen uns nicht, wir haben uns nichts zu sagen. Aber wir sind natürlich Vollprofis – da müssen wir uns nicht vorbereiten. So einen Talk, den schütteln wir ganz locker aus dem Ärmel.” (Nur ein My des professionellen Selbstanspruches von Loriot, nur ein My davon. Wäre das schön…)

Sie schütteln nicht locker aus dem Ärmel. Nie. Und endgültig sauer werde ich dann, wenn ich sehe, mit welcher Wurstigkeit Anne Gesthuysen durch ihre Moderationen hastet, Namen verschludert, sich verspricht, alles extrem witzig findet (weil – genau – wir ja alle ganz locker sind, hier im Ersten.)

Deshalb bitte einfach hin und wieder mal umschalten zu Jan Hahn. Der studierte Medienwissenschaftler und ehemalige Ressortleiter von Radio Mephisto ist unverkrampft, interessiert und einfühlsam. Natürlich in den Grenzen eines boulevardesken Formates wie eben dem Sat.1-Frühstücksfernsehen. Aber wer zum Beispiel häufiger die Kollegengespräche mit Kolumnistin Sibylle Weischenberg (by the way: ehemalige Pressesprecherin von Johannes Rau) verfolgt, wird Zeuge einer Leichtigkeit und eines Witzes, wie sie deutsche Magazine in ihren Talkstrecken sonst so gut wie nie erreichen.

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(c) Sat.1

Deshalb wird Jan Hahn bestimmt die längste Zeit im Frühstücksfernsehen moderiert haben. Entweder spart ihn Matthias Alberti ein – oder er möchte endlich mal ausschlafen und lässt sich abwerben. Irgendwann jedenfalls lässt er uns mit Anne Gesthuysen allein…

Autor: amayer Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 7 Kommentare »

7 Kommentare zu “Ich muss das mal loswerden”

  1. Christian Breuer

    Ja, Frühstücksfernsehen ist nicht unbedingt der beste Garant für den Start in den Tag. Wenngleich es noch schlimmere Moderatoren als Anne Gesthuysen gibt. Mit Schaudern denke ich da an einen ehemaligen “Verstehen-Sie-Spaß?!”-Moderator mit Turnschuhen, dem jeglicher Humor abging.
    Meine Empfehlung, wenn denn schon der Fernseher schon am Morgen laufen muss: Im WDR läuft zur Frühstücksfernseh-Zeit die meist sehr ordentlich recherchierte und informative Sendung “Planet Wissen” – mit jungen, souveränen und manchmal sogar lustigen Moderatoren, denen die Sendung ebenso viel Spaß zu machen scheint wie den Gästen und den Zuschauern.
    Und wer das nicht kann… Einfach ans seelige Frühstyx-Radio erinnern und mal wieder die Zeitung lesen – gerne auch online…

  2. Soeren

    Frau Weischenberg war mal bei Herrn Rau? Unglaublich… Hat er sich auch die Karten legen lassen? Oder sich von Ihr bei der Garderobe beraten lassen? Komme immer mehr zu dem Schluss, dass irgendwie ALLES im Leben irgendwie boulevard ist.
    Und zu Jan Hahn: Ich hoffe, seine Serie “Sachsendiplom” mit ihm als “Eggsbärden” kommt noch einmal als DVD heraus. Ganz groß!

  3. AM

    @ soeren:

    Ihr Schluss hat hoffentlich nichts mit Welt Kompakt zu tun? Muss man da inzwischen auch Karten legen? Jan Hahn wohnt gleich um die Ecke. Sollen wir einen Sonder-SG-Termin vereinbaren?

  4. Soeren

    @AM: Nee, Kompakt heißt nicht boulevard. Liest sich ja auch nich so… Hab nur die beiden “Leuchttürme” (auf ihre jeweilige Art) Rau und Weischenberg nicht zusammen denken können. Aber mich schon jetzt dran gewöhnt und freu mich auf die nächste Überraschung im Mediendschungel.

  5. Hagen

    @sören
    BILD kompakt.. ;-)

  6. AM

    @ Hagen: Großartige Idee! Man stelle sich vor: Das Wichtigste aus BILD jeden Morgen auf der Rückseite der Bäckertüte. (Das Seite1-Girl entsprechend dezent auf der Innenseite.)

  7. HahnHuldiger

    Ein schöner Bericht. Jan Hahn ist wirklich ein Rohdiamant im deutschen Fernsehen und wird hoffentlich bald ein eigenes Format erhalten.

    http://www.myspace.com/janhahnhuldigung

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