3.7.2007

GASTBLOG: Grau ist alle Theorie…

…sogar die digitale

Reden wir mal über ein paar grundsätzliche Dinge. Beispielsweise darüber, dass guter Journalismus etwas kostet: Geld beispielsweise, dass man in eine anständige Ausbildung, eine regelmäßige Weiterbildung und in eine vernünftige Ausrüstung stecken muss. Zeit beispielsweise, die man sich nehmen muss, um Journalisten auf die Höhe der jeweiligen Zeit zu bringen (und diese Höhe wechselt inzwischen so schnell wie noch nie). Und schließlich Geduld und ein gewisses Maß an Ausdauer, um die Dinge, die sich gerade entwickeln, begleiten zu können.

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Sie sind gerade weggesackt, weil Sie das Aufführen von Selbstverständlichkeiten irgendwie für ein wenig dröge halten? Kann ich verstehen, aber, sorry, mir blieb gerade nichts anderes übrig.

Wenn ich mir nämlich den Verlauf des bisherigen Jahres so ansehe (und zu einer moralingesäuerten Rückschau ist das Ende des ersten Halbjahres immer ein wunderbarer Zeitpunkt), dann werde ich den Eindruck nicht los, dass sich zwischen Anspruch und Wirklichkeit gerade ein paar winzige Unebenheiten auftun. Es gab, wir erinnern uns, Anfang 2007 nicht mal mehr im analog-freundlichen Deutschland noch allzu viele, die die Digitalisierung, den radikalen Umbruch unserer Branche und die damit verbundenen Änderungen negierten. Natürlich, man kann unterschiedliche Konsequenzen daraus ziehen, aber immerhin, wir waren uns endlich mal fast einig: Total digital ist die Welt. Reden wir also nicht mehr von irgendwelchen merkwürdigen Trennungen zwischen verschiedenen Plattformen und reden wir auch nicht mehr von der starren Abschottung zwischen dem Sender (= Medien) und dem Empfänger (= Leser etc.). Reden wir stattdessen von Kommunikation, von Transparenz, von Partizipation.

Geredet worden ist danach viel in Old Media, in der Holzklasse – das Resultat finde ich indes immer noch wenig mager. Dass ambitioniert gestartete Redaktionsblogs leise wieder eingehen, dass mancherorts völlig harmlose, aber offenkundig unliebsame Diskussionen auf der verlagseigenen Onlineseite abgewürgt werden – für mich ein deutliches Zeichen, dass es in der Praxis immer noch hapert. Man muss sich das mal vorstellen: eine banale Diskussion über Miro Klose (Klose!) zu schließen… Was passiert eigentlich, wenn’s mal richtig ordentlich zur Sache geht?

Und auch in meinem täglichen Business, das nun mal zu einem beträchtlichen Teil aus Coaching und Training besteht, bemerke ich solcherlei immer wieder: Wie, Sie sind nicht in der Lage unseren Leuten in einem Tageskurs Videojournalismus beizubringen? Und bitte was, Sie empfehlen ernsthaft die Anschaffung von ordentlichem Equipment? Haben Sie überhaupt eine Ahnung, was das kostet?

Wer also sich wirklich auf den Weg in die digitale-mediale Zukunft machen will, der braucht… siehe oben.

Aber… das wissen Sie ja jetzt alles schon.

Christian Jakubetz.

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | 1 Kommentar »

Ein Kommentar zu “GASTBLOG: Grau ist alle Theorie…”

  1. jep

    So grau ist die Theorie doch gar nicht. Mit der Akademie versuchen wir ja gerade den holprigen Weg ins digitale Medienzeitalter mehrspurig auszubauen. Und andere folgen, zu Beispiel die Nannen-Schule.

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