12.6.2007

GASTBLOG: PR. Warum wir so sind wie wir sind

Willkommen zum Proseminar PR. Nachdem ich in meinem Einstiegspost kundgetan habe, dass wir PRler uns von Ihnen unverstanden fühlen, will ich gleich eines der letzten Geheimnisse unserer Zunft verraten: Warum wir so sind, wie wir sind.

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Die Antwort heißt: Weil wir dafür bezahlt werden. PRler wollen selten sich selbst verwirklichen (wer wäre denn auch auf so eine verwegene Idee gekommen). Obwohl, es gibt sie. PRler, die unter ihrer mangelnden Beteiligung an der Rettung der Welt leiden. Wirklich. Aber, let’s face it: wir singen das wunderschöne Lied unserer Auftraggeber. Dazu sind wir da. Wer Journalist ist und einmal unter den Deckel seines eigenen Vertrages sieht, wird überrascht feststellen: Da ist es das gleiche.

Nun ist mit dem schnöden Mammon natürlich gar nichts erklärt. Man kann seinen Job besser oder schlechter machen, ganz gleich, was für ein Etat dahintersteht. Nur weil man Geld bekommt, muss man noch lange keine Wirtschaftsjournalisten mit der Existenz eines Software-Updates quälen. Was man für das Geld seines Auftraggebers aber machen muss, ist, sich für das Thema seiner Kunden zu interessieren, die bei kritischer Distanz der medialen Aufmerksamkeit selten wert ist.

Das ist aber gar nicht schlimm. Im Horst-Schlämmerschen Sinne haben auch knallhart nachgefragte Themen wie “X und Y kooperieren” oder “A weiter in Branche B tätig” liebevolle Zuwendung verdient. Weil es wie in jedem Ressort auch hier immer um Menschen geht. Menschen, die im Wettbewerb stehen, die wiederum bahnbrechende Ideen & alles zerstörende Großmannsucht genauso durchleiden wie Angst und jegliche Form des Minderwertigkeitskomplexes. Es ist eben der ganz normale Wahnsinn der Wirtschaft, der durch das Nadelöhr PR das Licht der Welt sucht. Und darum kümmern wir uns. Ich finde, es gibt schlechtere Jobs.

Wie das nun den Weg in Ihre Redaktionsräume findet, DAS ist das eigentliche Thema. Schauen wir uns zum besseren Verständnis einmal die normalen Budgets und Tagessätze in der PR-Szene an. So ein Pressefachmensch kommt auf einen Tagessatz von na, sagen wir, 400 bis 2.000 Euro. Vierstellig, da wird’s aber schon echt gut. Ein Monatsbudget auch renommierter Unternehmen für ihre PR-Agentur liegt in der Regel zwischen 5- und 10tsd. Euro, darüber wird’s schon elitär. Unternehmensberater, Werbemenschen und IT-Experten toppen das locker. Das ist auch leicht, denn DIE wissen, wofür sie ihr Geld bekommen. Ein Berater berät, ein Werber wirbt und ein ITler programmiert. Und wir?

Wir bekommen unser Geld zwar auch für unsere Beratung, so steht es im Vertrag. Aber das Geld wert sind wir erst durch unsere Medienplatzierung. Etwas, das man a) nur ganz schlecht selbst in der Hand hat, und b) noch schlechter bepreisen kann und c) erst gar nicht in den Vertrag reinschreibt. Weil keiner darüber redet, dass er eigentlich für seine Medienpräsenz am liebsten gleich bezahlen würde (dabei reden wir hier noch gar nicht über die Inhalte, sondern nur über den Fakt an sich), sind wir zu solchen Verquastheiten wie “monatliche Beratung in Höhe von Summe X zur Verbesserung der Sichtbarkeit des Unternehmens in seinem Branchenumfeld” gezwungen, anstatt sagen zu können: “Komma’ her, ich bring dich ins Fernsehen, das macht dann 5.000 Euro”. Wäre das Umfeld entspannter, wären wir es auch. Bestimmt!

Nicht, dass Beratung nicht Not täte. Aber die Beratung ist eigentlich ein Zuschussgeschäft, weil wir nur beraten, wenn wir auch liefern, und dann die Beratung durch die Plazierung quasi querfinanzieren. Würde Plazierung ohne Beratung funktionieren, würden sich unsere Auftraggeber den Plumpaquatsch nur zu gerne ersparen! Wenn Sie unserer Branche also wirklich ans Leder wollen, dann schreiben Sie einfach nicht mehr über unsere Kunden, dann sind Sie uns los. Aber dann müssen Sie sich ihre Geschichten auch wieder schön selbst ausdenken.

Jetzt wissen – oder ahnen – Sie wenigstens, warum wir so kompliziert sind. Nächsten Monat möchte ich dann darauf eingehen, wie wir eigentlich arbeiten – mit Ihnen UND mit unseren Kunden – damit am Ende vielleicht doch alle zufrieden sind mit uns.

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Mark Pohlmann

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 6 Kommentare »

6 Kommentare zu “GASTBLOG: PR. Warum wir so sind wie wir sind”

  1. jep

    Sehr schön und witzig beschrieben – aber einen Satz, den Sie da geschickt platziert haben, kann ich so natürlich nicht stehen lassen. Nein, let’s face it, Journalisten singen nicht in erster Linie das Lied ihres Auftraggebers. Wir werden für unsere Arbeit bezahlt, aber wir sind nicht käuflich.

  2. Christian Jakubetz

    >>Aber dann müssen Sie sich ihre Geschichten auch wieder schön selbst ausdenken.

    Ich ahne natürlich, dass dieser Satz ironisch gemeint ist, trotzdem beschreibt er ein Problem, das nicht ganz wegzudiskutieren ist (und – zugegeben – in erster Linie Journalisten und Redaktionen betrifft): Wenn PR-Geschichten in einem Medium eigene Geschichten/eigene Recherche ersetzen, weil es der Redaktion an Elan und/oder Etat fehlt, wird es problematisch.

    Ein bisschen “selber ausdenken” sollte also schon noch sein ;-)

  3. AM

    @ Christian Jakubetz

    “wird problematisch” ist noch gelinde gesagt. Ich fürchte, dass der eigene redaktionelle Anspruch bereits vielfach entsorgt worden ist, siehe das als journalistisches Medium ausblutende Radio (Hintergrund z.B. im aktuellen “journalist”: http://www.journalist.de/story/story_2007_06.html)

  4. Mark Pohlmann

    darf ich ehrlich sein? es fehlt auf ihrer seite oft gar nicht mal am mangel an recherchewillen oder der zeit, sondern schlicht an der dem verständnis dafür, was die eigentlichen geschichten sind. pr heißt ja nicht nur, das unternehmen gut dastehen lassen zu wollen, sondern ist immer in erster linie gattungsmarketing für den branchencontext. und wo sollen die infos über innovationen, krisen oder wirtschaftskriege denn nun herkommen, wenn nicht aus den unternehmen selbst? einer muß die geschichten erzählen. das sind wir.

  5. jep

    @ Mark Pohlmann

    Einer muss die Geschichten erzählen, klar. Aber besser eine selbst ausgegrabene Quelle als ein PR-Profi, der weniger die Geschichte als vor allem dessen Deutung im Auftrag des Unternehmens verkaufen will.

  6. Christian Jakubetz

    @MP: Neinnein, so läuft das nicht. Als Recherche- und Infoquelle gerne, aber wenn einer die Geschichten in einem redaktionellen Teil erzählt, dann sind das, mit Verlaub, immer noch wir. Wenn sich ein Journalist von einer PR-Abteilung ungeprüft was erzählen lässt, ist er ein schlechter Journalist – und das geht ganz sicher nicht gegen Sie.

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