Bloggen ist out?!
Ist das jetzt ein Preludium zum Abgesang, was uns die Frankfurter Allgemeine präsentiert? “Die Blogosphäre hat ihren Zenit überschritten”, titelt das Blatt. Weltweit seien heute rund 200 Millionen Blogs inaktiv, vulgo: tot, so die Marktforscher von Gartner.
Heißt dann aber umgekehrt, dass immer noch eine satte Zahl von Bloggern fleißig weiter tippt. Glaubt man Technorati, ist immerhin jeder fünfte Blog ein aktiv verwalteter und gepflegter. Und das bedeutet dann auch: Es hat sich ein neues Mediensegment etabliert, das für gestandene Redaktionen und Verlage Herausforderung und Ideenpool in einem ist.
Nein, das ist nicht wirklich neu, wird aber durch’s Wiederholen auch nicht falsch. Wer nämlich die frischen Zahlen zum Vorwand nimmt, sich mit einem wohligen “hab’s schon immer gesagt” wieder zurückzulehnen (Lao Tse, “Setze dich an einen Fluss und warte…”), wird damit nicht mehr allzu lange Spaß haben.
DIE ZEIT schrieb kürzlich (26.04.07) unter Berufung auf das Pew Research Center, Bürgerjournalisten und Blogger seien die Zukunft des Journalismus. Okay, halte ich auch für etwas mutig. Aber ehe Sie auf Lao Tse setzen…
Autor: amayer Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 3 Kommentare »

Am 22. Mai 2007 um 08:25 Uhr
Tja, selbst die gute alte FAZ hat ja noch Blogs. Ob mit “Was Frauen wollen” aber der Anteil der weiblichen Leser gesteigert wird, ist wohl zu bezweifeln. Ergänzend http://www.blogstudie2007.de – hier wird das Blog ja als Recherchetool betont. Wie sieht das an der Akademie und den Redaktionen aus? Nutzen die Leute Blogs für Recherche, wenn ja, welche Glaubwürdigkeit wird den Leuten zugestanden. Sind die Kommentartexte von Bloggern besser als die von Nichtbloggern?
Insgesamt bringen erfolgreiche Blogs wohl am ehesten neue Tonarten oder neue Themen. 08/15-News sind dauerhaft jedenfalls kein Bringer, denn technisch ist Blogging doch nichts anderes als Schmalspur-CMS, oder wie es ein Kollege jüngst so treffend formulierte: “RSS ist irgendwie ja auch nur XML.”
Am 23. Mai 2007 um 23:42 Uhr
Tja, die Menge der Weblogs wächst wie bei Technorati und anderen Diensten bestens dokumentiert, aber in der Medienberichterstattung dominieren die Schlagworte von Dilettantismus, abweichendem Verhalten und Suchtpotenzialen, und die FAZ sieht gar den Zenith der Blogosphäre überschritten. Das dürfte mit dem ambivalenten Verhältnis der syndizierten Medien mit den vielen kreativen zusammenhängen, die in vielfältiger Art kreativ arbeiten, das Netz mit Inhalten aller Art anreichern und für die etablierten Medien das bedeuten, was Günter Ortmann als “Kassengift” bezeichnet hat.
Am 17. Juni 2008 um 17:31 Uhr
Ach lass sie schwätzen, gehe deinen Weg. Die bisher gebotenen Schein-Alternativen und “Zurück-zur-Parolen” sind jämmerlich im Vergleich mit den Potenzialen des Web 2.0.
Wer sich als Info-Guru und Gralshüter der traditionellen Medien fühlt, der lässt sich nur ungern durch diese demokratisch ungezügelte Rasselbande von Info-Neulingen stören.Marsch, marsch – zurück ins Schneckenhaus.