15.5.2007

GASTBLOG: Traumberuf PR

Als Gastblogger möchte man ja den Ruhm des Mutterblogs mehren helfen. Nur: Was kann ich da tun? Schließlich habe ich nie eine Journalistenschule von innen gesehen. Ich gehöre noch zur Generation Autodidakt, der gesagt wurde, dass man alles studieren könne, bloß keinen Journalismus. Und dann studierte ich halt was anderes, nur um Journalist zu werden, was ich dann auch prompt nicht geworden bin. So war das damals.

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Stattdessen mache ich jetzt in PR, genauer gesagt in Kommunikation 2.0. Und als PRler schlägt einem beim Aufrufen des JEP-Blogs die aktuellste Überschrift “Traumberuf Journalist – jetzt bewerben!” wie ein nasser Waschlappen ins Gesicht. Da ich ja keiner geworden bin, frage ich mich sofort, was falsch gelaufen ist. Das Grübeln beginnt.

Niemand findet, dass PR ein Traumberuf ist. Dabei kann ich aus dem Stand ein paar traumhafte Bedingungen aufzählen: Ich lese den ganzen Tag Zeitungen und Magazine, surfe im Internet, telefoniere viel und gehe ständig mit interessanten Menschen in schönen Lokalen stundenlang essen, wobei ich die Spesen einreiche und das Mittagessen als Arbeitszeit verbuche. Ab und zu schreibe und versende ich Texte. Ich habe ein Netzwerk. Man kennt mich, ich kann Meinungen beeinflussen, ich habe die Fähigkeit, mit meiner Hände Arbeit Personen und Unternehmen bekannt zu machen, ihren Wert zu steigern oder ein Geschäftsmodell überhaupt erst praktikabel.

Auf der Gegenseite stehen da natürlich das ein oder andere kleine Pöstchen, die alle in Richtung “viel Wind um nichts” gehen, abgesehen davon, dass meine Schwiegereltern bis heute nicht verstanden haben, was ich da genau mache.

Was geht euch das an? Naja. Ich sitze auf der anderen Seite eures zukünftigen Schreibtisches. Ihr werdet es lebenslänglich mit Menschen wie mir zu tun haben! Und viele von euch, die irgendwann keine Karriereperspektiven im proklamierten Traumberuf mehr sehen, werden mit Wonne die Seite wechseln und sich für gutes Geld in der Wirtschaft anwerben lassen.

Deswegen habe ich beschlossen, dass es Zeit wird für euch, sich mit Menschen wie mir zu beschäftigen. Seien wir ehrlich. Unser Verhältnis ist nicht das beste, obwohl wir ständig so tun, als sei alles in Ordnung. Dabei wissen wir beide nicht so genau, was die Gegenseite eigentlich wirklich macht. Ihr kennt die Machtmechanismen und Kommunikationszwänge in Unternehmen nicht, ihr könnt den Wahrheitgehalt meiner Antwort nicht abschätzen, wenn ihr mich nach den Gründen für die schlechten Quartalszahlen fragt. Und ich rufe euch immer genau dann an, wenn ihr gerade auf dem Weg in eine Redaktionskonferenz seid und belämmere euch mit Themen, die ihr nicht hören wollt. Und so reden wir munter jahrelang aneinander vorbei.

Das Schlimmste ist aber: Ich werdet gar nicht darauf vorbereitet, mit mir zusammenzuarbeiten, obwohl Menschen wie ich eine der Hauptquellen eures täglichen Tuns sein werden. Eure Ausbildung ist wie das Medizinstudium, das ohne Patienten auskommt. Das Ergebnis ist nicht nur Nichtwissen, sondern gegenseitige Arroganz durch Ignoranz. Zeit damit aufzuhören. Im meinem nächsten Beitrag fange ich mit der Aufklärung an: Warum PRler sind wie sie sind. Was man von uns an Zuarbeit ewarten kann und was nicht. Warum Antworten manchmal Tage brauchen, und wie man dies beschleunigen kann. Ob wir lügen oder nur nicht immer die Wahrheit sagen oder das Beste verschweigen. Warum in euren Augen harmlose Artikelchen auf unserer Seite Erdbeben auslösen können. Und warum Journalisten sich selber schaden, wenn sie meinen, PRler nicht ernst nehmen zu müssen. Wem das nicht reicht, wer was ganz anderes wissen will: Nur zu. Fragen und Vorschläge bitte an:

mark at sinnerschrader punkt de

Mark Pohlmann

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | 3 Kommentare »

3 Kommentare zu “GASTBLOG: Traumberuf PR”

  1. AM

    Gut gegeben und vorgelegt, wobei ich natürlich über den Vergleich “Medizinstudium ohne Patienten” gestolpert bin. Durch die Kombination aus Journalistenschule und Volontariat verfügen unsere Studenten über einen sehr großen Praxisbezug und lernen so die PR-Arbeit in all ihrer Romantik unter Alltagsbedingungen kennen. Und natürlich steht das Thema PR auch auf dem (Theorie-)Lehrplan. Aber trotzdem: Bin sehr gespannt auf die nächsten Folgen… ;-)

  2. Björn Sievers

    Und ich stehe immer wieder vor angehenden und praktizierenden PR-Menschen, die noch nie einen Journalisten aus der Nähe gesehen haben, die glauben, PR und Journalismus seinen eins, für die RSS nach SARS klingt und die zuweilen offen mit ihrer Angst vor Blogs umgehen. Das passiert mir, seit jemand auf die Idee kam, seinen PRlern in der Aus- und Weiterbildung auch mal einen Journalisten und nicht immer nur PRler vor die Nase zu setzen. Immer wieder. Wir arbeiten am gegenseitigen Verständnis :)

  3. jep

    Das wird spannend! Auch wenn ich befürchte, dass sich PR-Leute und Journalisten jetzt schon viel zu oft viel zu nah sind. Auf jeden Fall bitte ich um das abschließende Kapitel: “Warum wir trotzdem nie Freunde werden!”

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