GASTBLOG: Wie Joost das Fernsehen revolutionieren wird
Wie jeden Dienstag öffnet sich auch heute dieses Weblog einem gern gelesenen Gast aus unserem Blogger-Quartett. Heute ist es Christian Jakubetz:
Zugegeben: Ich bin Technik-Skeptiker. Ein großer sogar. Nicht, dass wir uns falsch verstehen, wenn Technik funktioniert und wirklichen Nutzen bringt, liebe ich sie. Aber ich habe zu viel groß angekündigte und letztlich nicht funktionierende Technik gesehen, als dass ich Ankündigungen per se glauben würde (und außerdem bin ich Journalist und glaube sowieso erst mal niemandem was).
Als ich vor einigen Jahren das erste Mal mit Skype in Berührung gekommen bin, fand ich bei den FAQ´s auf die Frage, warum man sich für Skype entscheiden solle, eine frappierend einfache und vor Selbstbewusstsein strotzende Antwort: “because it works” – weil’s halt einfach funktioniert. Und seitdem ich feststellen durfte, dass Skype wirklich funktionierte, ganz prima sogar, und mein Leben tatsächlich einfacher machte, seitdem glaube ich den Herren Skype-Erfindern Niklas Zennström und Janus Friis nahezu alles. Immerhin hatten die beiden ja auch schon vorher mit Kazaa eine ganze Industrie ins Wackeln gebracht (wenngleich mit möglicherweise nicht immer ganz legalen Auswirkungen, siehe Copyrights). Das Prinzip der beiden ist jedoch immer das gleiche: Man stellt ein bestehendes Geschäftsmodell einer Branche auf den Kopf, entwickelt eigene, benutzerfreundliche Lösungen und verwendet vor allem immer das Internet als Vertriebskanal.
Das als etwas lang geratene Erklärung, warum ich hochgradig begeistert war, irgendwann im letzten Sommer vom neuesten Projekt der beiden zu hören: “The Venice Project”, nannte es sich, und ich wusste nicht viel mehr darüber, als dass es nicht weniger als eine heftige Revolution für das TV-Geschäft sein sollte. Heute heißt das “Venice Project” Joost und nach alledem, was ich als BETA-Tester bisher sehe und weiß, würde ich sagen: Das ist – glatt untertrieben. Joost wird unser Verständnis und unsere Nutzung von Fernsehen völlig auf den Kopf stellen.
Warum ich mir da so sicher bin? “Because it works”, könnte ich jetzt einfach sagen – da ist was Wahres dran. “Joost” lässt sich spielend einfach auf jedem halbwegs modernen Rechner installieren und lässt sich ebenso kinderleicht bedienen. Drin ist eine spannende Mischung aus dem jeweils Besten aus Fernsehen und Internet. Fernsehen mit Interaktion und Kommunikation, Fernsehen auf Abruf und ganz nach Gusto, das alles kostenfrei und ohne Installation irgendwelcher Decoder (die dann eh nicht funktionieren). Natürlich wird – ehe der Einwand kommt – diese Revolution nicht sofort greifen. Eine ältere Generation (so wie meine beispielsweise) wird Joost kaum massenweise zum TV-Ersatz machen und das gemütliche Zappen abends auf der Couch wird Joost erst einmal auch nicht ersetzen. Aber eine Generation YouTube, deren zentrales Medium das Netz ist, wird aus Joost schnell das MTV des neuen Jahrtausends machen. Die größte Gefahr stellt Joost im Übrigen nicht zwingend für die großen, bunten Free-TV-Sender dar – bedroht sind vielmehr all jene, die bisher für das Personalisieren und Individualisieren von Programmen Geld haben möchten, nämlich die Pay-TV-Sender. Deren einzig verbliebe Attraktion werden Sportrechte sein. Alles andere gibt’s eh. Bei Joost, früher oder später.
Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 11 Kommentare »



Am 8. Mai 2007 um 11:43 Uhr
Kann mich nur anschließen. Joost schafft im Internet erstmals, wobei viele andere gescheitert sind. Ein intuitives und interaktives Netzfernsehen.
Die Kooperationen mit Viacom und anderen sprechen für sich. Joost wird einen neuen Standard setzen.
Am 10. Mai 2007 um 11:33 Uhr
Applaus: Joost macht gleiche mehrere Dinge richtig: Es hat guten Content und löst das Traffic und Bandbreitenkostenproblem. Das vergessen nämlich einige beim Internet-TV. Ob damit Pay-TV tot ist wage ich zu bezweifeln: Joost kann diesen Job auch übernehmen.
Und was das Sofa angeht: schaun mer mal. Joost ist next-generation-youtube, und macht schon richtig spaß. auch aufm sofa.
Am 10. Mai 2007 um 15:41 Uhr
@Thomas Wanhoff: Was Pay angeht, habe ich mich evtl. missverständlich ausgedrückt. Natürlich sind Pay-Inhalte damit keineswegs tot. Nur ist es exakt so, wie Sie schreiben: Joost kann (und wird vermutlich) auch das…dunkle Zeiten für Premiere et al.
Am 10. Mai 2007 um 16:04 Uhr
Na wie langweilig wird’s denn noch. Gibts außer Standards und Gästeblogs vielleicht auch noch junge Journalisten, die was zu melden haben – vielleicht sogar spannende Sachen aus dem Alltag. Was gab’s denn heute in der Springerkantine? Ohne ein wenig mehr Netzaffinität driftet Ihr aber leider in die mediale Inzest und damit in die Belanglosigkeit.
Am 10. Mai 2007 um 16:40 Uhr
Als ob Blogs nicht grundsätzlich am Rande der Belanglosigkeit wirken. Dein Kommentar zeigt das ja ganz nett (u.a. Kartoffel-Kürbis-Rösti). Aber davon bleiben ja auch die BigBlogs nicht verschont. Auch auf bildblog hat man häufiger Einträge, die kaum dem aufklärerischen Geist entsprechen, sondern in Nichtigkeiten abdriften.
Am 11. Mai 2007 um 10:43 Uhr
Na gucke ma da – ein Blogwart.
Am 11. Mai 2007 um 11:03 Uhr
Haaaaalooooo Bloooogwaaaaart.
Mist, wenn man was will vom Hausmeister, iss natürlich niemand zuhause. Sucht wahrscheinlich grad den Geist der Aufklärung im Netz. Viel Spaß dabei, vielleicht kommt dabei ja ein lecker Posting raus. Aber wenn Du wieder da bist, dann treffen wir uns wieder zur Publikumsbeschimpfung.
Am 11. Mai 2007 um 15:56 Uhr
http://www.theshrine.de/
Der Hausmeister hat im Keller etwas für dich ausgegraben. Dann vergeht Dir vielleicht auch die Langeweile.
Am 21. Februar 2008 um 23:01 Uhr
[...] > > > Also ob wirklich mehr Pixel drinn sind. > > Da PAL und damit SVHS, als analoges Medium, keine Pixel > kennt, ist ein direkter Vergleich immer schwierig. > Auf jeden Fall ist die Zeilenanzahl [...]
Am 9. März 2008 um 09:04 Uhr
[...] Endlich mal ein Beitrag von jemanden der Ahnung hat. Danke. > > IPTV ist langfristig angelegt. Ich denke mal die Telekom rechnet in > den [...]
Am 29. März 2008 um 09:41 Uhr
[...] Joost”, titelte vor kurzem Blogger Mike Schnoor über das eigentlich doch neue Kapitel des TV-Journalismus oder zumindest der TV-Nutzung. Und was genau passte ihm nicht? “Kommentieren, Diskutieren, [...]