Online ist nicht (mehr) “auch noch”
Eine aussagekräfte Umfrage des World Editors Forum: 80 Prozent der befragten Medienmanager sehen die Online-Medien als wertvolle Ergänzung zu den etablierten Medien. Hm. Schön, dass sich diese Erkenntnis so breit Bahn bricht. Andererseits: Wieder mal zu kurz gesprungen. “Wertvolle Ergänzung” klingt doch sehr nach: “Wir machen jetzt auch Internet.” Dabei sind die Warnzeichen doch recht einfach zu deuten.
Dan Gillmor vom neuen Zentrum für Bürgerjournalismus zäumt die Problematik über den Werbemarkt auf und verweist (wie kürzlich auf einem Kongress in Köln) auf wachsende Werbeumsätze in der Blogosphäre: “Die Werbung wird vom Journalismus getrennt. Ich habe keine Lösung für dieses Problem. Die Medien müssen experimentieren, um neue Geschäftsmodelle auszuprobieren.” (zitiert nach FAZ vom 02.04.)
Diesen Punkt werden die genannten 80 Prozent der Medienmanager sicher unterschreiben. Nun muss nur noch der Groschen fallen, dass es mit einem “auch noch Internet” nicht getan ist. Wobei gerade die ungebrochene Wachstumsdynamik der Blogosphäre die Frage aufwirft, ob “one brand all media” wirklich der Königsweg ist. Online-Vorreiter Eugen A. Russ vom Vorarlberger Medienhaus war schon immer ein Gegner der These. Auch Springer nannte sein Second-Life-Medium eben “The AvaStar” und nicht “sl.bild”. “Junge Menschen richten sich nicht mehr so stark an Medienmarken aus”, warnt auch Dan Gillmor. Offensichtlich verstanden haben das (Print-)Verlagsstrategen erst, wenn anspruchsvolle Onlinemedien nicht mehr als “Internetableger” bezeichnet werden.
Autor: amayer Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 2 Kommentare »

Am 3. April 2007 um 16:00 Uhr
Zwei kurze Anmerkungen dazu – erstens: Wer immer noch von “Ablegern” spricht, hat nichts verstanden. Gar nichts. Da ist jede weitere Diskussion sinnlos.
Zweitens: An “one brand, all media” glaube ich durchaus. Die SL-Geschichte ist eine Ausnahme, zumal im SL ja ein ganz anderes und vor allem internationales Publikum angesprochen wird. Und der AvaStar ist zumindest nach meinem Verständnis auch nicht zwingend ein “Bild”-Ableger. Sonst aber gehören für mich die Dinge zusammen (solange man eben nicht mehr nur reine “Ableger”) hat. Die New York Times beispielsweise ist für mich schon lange keine reine Zeitung mehr, sondern eine Medien-Marke. Ob gedruckt oder online, who cares, Hauptsache NYT.
Am 3. April 2007 um 16:13 Uhr
Stimme gerne zu, zumal wir hier im Hause mit WELT ONLINE ein Musterbeispiel für den “one brand”-Gedanken haben. Dennoch verstehe ich, wenn beispielsweise regionale Medienhäuser online einen anderen Ansatz wählen, wie es eben die “Vorarlberger Nachrichten” recht erfolgreich tun. Auch die FAZ hat ihre Markenstrategie mit dem FAZ-Radio seinerzeit vielleicht überstrapaziert.