“Eine gewisse Aufdeckungsresistenz”
Journalistische Aufklärungsarbeit werde heute „schon als selbstverständlich empfunden”, bei den Lesern mache sich „eine gewisse Aufdeckungsresistenz“ breit. Das schreibt Hans Rauscher in einem Nachruf des österreichischen Nachrichtenmagazins „profil“ auf den vorbildlichen investigativen Journalisten Alfred Worm. Woran liegt das?
Rauscher, Herausgeber des „profil“, bezieht seine Analyse zwar auf die österreichische Medienlandschaft, aber seine Kernthese kann man wohl eins zu eins übertragen: „Auch die Konsumenten der Qualitätsmedien sind nicht mehr geschockt von diesem oder jenem Skandal. (…) das Problem des Aufdeckungsjournalismus könnte sein Erfolg sein.“
Interessante Frage: Mag uns Journalisten keiner, weil wir auf so viele Wunden die Finger legen? Oder werden manche Kratzer erst durchs Fingerauflegen richtig wund?
Vielleicht läuft aber auch alles auf den Grundkonflikt hinaus, den Erich Kästner einst beschrieb: „Und immer wieder schickt ihr mir Briefe, / in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt: / ‚Herr Kästner, wo bleibt das Positive?’ / Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt.“
Autor: jep Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | Keine Kommentare »
