6.2.2007

Was bisher geschah

Es ist so sehr Modewort, dass wir „Web 2.0“ kaum noch aussprechen mögen – immerhin wird auf Medienkongressen schon munter über Web 3.0 und 4.0 spekuliert. Anthropologie-Professor Michael Wesch von der Kansas State University hat einen Kurzfilm zum Internet gedreht – der innerhalb weniger Tage zu einem der populärsten Videos der Blogosphäre geworden ist:

Video einfügen Was bisher geschah – der Film zum Internet

Autor: jep Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 12 Kommentare »

12 Kommentare zu “Was bisher geschah”

  1. Christopher Walther

    Ich muss sagen, der Film zeigt in außergewöhnlicher Art und weise und durch exzellente filmemacherische Arbeit genau das, was heutzutage im Web abläuft. Von Blogs bis Youtube, von HTML bis Web 2.0…

    Doch sollte der Zuschauer nicht den durchaus kritischen Tenor ignorieren. Gerade die letzte Einstellung zeigt doch, wie das web Einfluss auf alles im Real-Life nehmen kann und auch nimmt.

    So genannte “Noobs” (von “Newbie”, Neuling) in Sachen Internet tun sich heute zunehmend schwer sich in diese fremde und von Tag zu Tag gigantischer werdende Welt einzufinden. Das Internet beeinflusst uns. We REALLY need to rethink ourselves.

    Ich möchte mit einem Zitat von Frank-Markus Barwasser schließen: “Noch nie war es so einfach, für so viele Idioten so viel Schwachsinn so schnell so weit zu verbreiten, wie heute”…

  2. G.K.

    Das Web 2.0 hat es sich verdient. Die ganze Aufmerksamkeit. Denn die Grenzen des Einflusses sind so einfach nicht festzustellen. Und das Netz könnte unser aller Leben von Grund auf verändern. Werden wir dies riskieren??

  3. Steffen

    Zum Barwasser-Zitat: Nett pointiert formuliert, aber genauso Schwachsinn… In der Aussage wir komplett verkannt, welches Potential in der erleichterten Interaktivität und den Möglichkeiten der Partizipation steckt. Das Problematische an den jüngeren Entwicklungen (nennt es von mir aus Web 2.0) ist doch, dass sie offen legen, wie sehr der Digital Divide eine neue Qualität annimmt: Nicht mehr nur die digitale Kluft zwischen entwickelten und “nicht-entwickelten” Staaten tut sich auf, sondern auch die Kompetenz-Kluft zwischen denen, die mit den neuen Möglichkeiten umzugehen wissen und denen, denen aufgrund von fehlender Bildung etc. diese Möglichkeiten verwehrt bleiben. Die Gesellschaft ist zu träge, als dass sie als Ganzes mit der Entwicklung schritt halten könnte. Gefragt sind Vermittlungsinstanzen wie das Bildungs- und Mediensystem gefragt, die die Übersetzungsleistung übernehmen und dazu beitragen, die Kompetenzlücke zu schließen.

  4. jep

    In Zeiten, in denen 7-jährige ein eigenes Handy haben und für Hausaufgaben online gehen, müsste der Umgang mit Medien schon in der Schule auf den Stundenplan. Warum nicht eine Stunde Chemie streichen und dafür etwas über Zeitungen, Internet, Fernsehen lernen?

  5. G.K.

    Lieber Jan-Eric Peters,

    das ist ja nun Ländersache. Aber wie wär’s, wenn wir den Länderchefs diesen Vorschlag unterbreiten würden? Meinen Segen hätten Sie…
    Gruß aus Köln,

    Gerd Kaktus

  6. Margita

    @G.K. und jep

    Sinnvoller wäre es, Medienerziehung in alle Fächer zu integrieren: Chat-Projekt zu Goethes Werther, algebraische Formeln mit einem Grafik-Programm veranschaulichen, Medienethik im Reli-Unterricht, Internetrecherche zum Zitronensäurezyklus. Dann hätte man einen inhaltlichen Bezug. Wenn ein Siebenjähriger für die Hausaufgaben online geht, ist das schon ein guter Anfang. Vieles tut sich bereits.

    Wichtig wäre es, die Lehrpläne zu entschlacken, um Zeit für Medienerziehung zu schaffen, und die Lehrer dafür fit zu machen. Die meisten Deutschlehrer lernen im Studium Mittelhochdeutsch. Wie sie im Unterricht sinnvoll ein Zeitungsprojekt durchführen, erarbeiten sie sich meistens selbst.

  7. jep

    Absolut, lauter gute Ideen, kann und sollte man alles machen, und es gibt ja auch schon Schulen, die sich da herantasten. Ich glaube aber, dass eine zusätzliche Stunde pro Woche nicht schaden würde, in der man sich mit den Medien an und für sich beschäftigt. Also: Wie hole ich für mich wichtige Informationen aus einer Zeitung? Wie nutze ich das Internet richtig? Wie funktioniert Fernsehen? Und, und, und.

  8. Margita

    Aber wie sieht das praktisch aus? Lasse ich die Schüler im Internet recherchieren, warum Schokolade gesund ist, um dann mit ihnen zu reflektieren, welche Infos zuverlässig sind und welche nicht? Das wäre bestimmt ein Fall für Lari-Fari-Unterricht in der letzten Stunde am Freitagnachmittag.

    Besser ist es, wenn ein inhaltlicher Bezug da ist. Medien gibt es ja nicht um ihrer selbst willen, sondern weil etwas vermittelt werden soll. Die Internetrecherche stünde dann im Kontext einer Unterrichtseinheit. Die Klasse liest ein Jugendbuch über Drogen und sucht sich dann im Internet Basisinformationen zu Heroin. Im Anschluss wird über die Infos gesprochen und über die Recherchewege. Wenn die Kids das das erste Mal machen, brauchen sie vorher eine kurze Einweisung.

    Wie Fernsehen funktioniert und wie eine Zeitung strukturiert wird, lernt man im Deutschunterricht. Zumindest in Bayern.

    Der Vorteil einer Extra-Stunde Medienerziehung wäre aber, dass das nicht unter den Tisch fällt.

  9. jep

    Da haben Sie ja grundsätzlich Recht, aber: Ist der durchschnittliche Lehrer in der Lage, so zu arbeiten? Die meisten haben doch selbst kaum eine Ahnung davon, wie etwa das Internet funktioniert, da sind ja sogar manche Schüler weiter. Ich meine, hier müßten Praktiker ran, also Leute aus den Medien. Projekte wie “Zeitung in der Schule” sind ein guter Anfang, aber eben nur ein Anfang.

  10. Margita

    Wenn man etwas Neues etablieren will, kann man nie fragen, ob der Durchschnitt momentan dazu in der Lage ist, oder? Was man nicht weiß, muss man sich aneignen. Wenn Lehrer traditionelle Bildungsinhalte auf die Gegenwart beziehen – und das sollten sie eigentlich, müssen sie immer bereit sein, Neues zu lernen. Natürlich reiben sich da auch mal Ideal und Realität.

    Das Projekt “Zeitung in der Schule” wurde nicht von einem normalen Redakteur, sondern einem unabhängigen Institut entwickelt. Die Materialien sind sowohl inhaltlich als auch didaktisch gut – da bin ich Ihrer Meinung.

    Wenn Zeitungen Leute haben, die im Redaktionsalltag Zeit haben in die Klassen zu gehen, einen Bezug zu jungen Leuten haben und obendrein die Inhalte gut rüberbringen, ist das natürlich klasse. Aber ist das realistisch?

  11. jep

    @ Margita

    “Natürlich reiben sich da auch mal Ideal und Realität”?

    Die reiben sich nicht, die prallen mit lautem Knall frontal gegeneinander!

    Ja, ja, natürlich gibt es engagierte Lehrer, die bereit sind Neues zu lernen und zu vermitteln, klar. Aber im Normalfall sieht das anders aus. In Berlin gibt es 29.000 Lehrer, Durchschnittsalter 49,2 Jahre, mehr als ein Drittel steht in den nächsten drei, vier Jahren zur Pensionierung an – da ist die Bereitschaft gering, sich noch einmal auf Neues einzulassen.

    Dier “Berliner Morgenpost” arbeitet im Jahr mit rund 300 Schulklassen in ihrem Projekt “Schüler machen Zeitung”, andere Verlage engagieren sich auch, stellen ebenfalls Redakteure für den Schulunterricht ab.

    Ich bin mir sicher, dass sich eine gemeinsame Bildungsinitiative der Medien organisieren ließe.

  12. Margita

    Kompliment, wenn das Projekt bei der Morgenpost gut läuft!
    Wie stellen Sie sich eine gemeinsame Bildungsinitiative der Medien vor?

    Das Engagement der Lehrer schätzen Sie meines Erachtens zu pessimistisch ein. Vor allem dann, wenn Sie Engagement bzw. Trägheit vorwiegend am Alter festmachen.

    Haben Sie so selten Lehrer erlebt, die in ihre Schüler investieren? Oder ist das ein berlinspezifisches Problem?

    Und gesetzt den Fall, es wäre richtig, dass die meisten Lehrer nicht wissen, wie sie im Internet surfen und auch keine Lust hätten, das zu lernen:
    Würden Sie sich damit zufrieden geben und die Lehrer aus Ihrer Pflicht entlassen, jungen Leuten einen sinnvollen Umgang mit Medien zu vermitteln? Dann wäre doch eher die Frage, welche Anreize man schaffen und welche Sanktionen man verhängen sollte.

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