Friedman: Respekt & Risiko
Auf die existenziellen Fragen hat er trotz seiner vielen Gespräche keine Antworten gefunden. „Ich verstehe die Menschen nicht, und ich verstehe das Leben nicht“, sagt Michel Friedman. Um Antworten zu bekommen, diskutiert der Journalist und Jurist, was das Zeug hält. Zum Beispiel in seiner Sendung auf N24. Oder jetzt mit den Schülern der Axel Springer Akademie. Denen er gestern Abend noch eine Neuigkeit erzählte. Journalistenschüler Julien Wolff berichtet:
„Ich streite nicht um des Streites Willen, sondern wegen des Ergebnisses“, behauptet Friedman. Er sucht und braucht den Konflikt, es liegt in seinem Naturell. Um sein Ego zu stärken und um sein Wissen zu erweitern. „Ich führe Konversationen, um Anregungen für neue Gedankengänge zu bekommen.“ Friedmann wirkt dabei authentisch. Er spielt bei seinen Auftritten keinen von sich selbst eingenommenen, intellektuellen und streitsüchtigen Zeitgenossen – er ist einer.
„Der Job von Politikern ist es wegzurennen. Unser Job ist es, sie einzufangen“, sagte der umstrittene Talkmaster in der Akademie und riet: „Seien sie respektlos in der Sache! Haben Sie Respekt vor Menschen, aber nicht vor Titeln.“ Dass Friedman oft als arrogant charakterisiert wird, nimmt er gelassen hin. „Das ist mein Risiko.“
Falsch. Kein Risiko. Es ist sein Image, seine Einnahmequelle und seine Stärke, nicht gemocht zu werden. Friedman weiß das. Es ist seine Marke. Und die baut er weiter aus. Demnächst werde er mit einem weiteren journalistischen Format starten, kündigte er an. Dabei wird er sich dann mal nicht mit Politikern und Wirtschaftsbossen beschäftigen. „Es geht nicht um Interviews“, sagte Friedman. Mehr verraten wollte er noch nicht. Trotz respektloser Nachfragen.

Michel Friedman an der Akademie
Foto: Marco Fenske
Autor: jep Kategorie: A bis Z, Medienmacher zu Besuch | 5 Kommentare »

Am 31. Januar 2007 um 23:10 Uhr
Und warum haben ihn die Journalistenschüler nicht nach seinen Abenteuern unter dem Pseudonym “Paolo Pinkel” gefragt? Und danach, wieso er als kritischer Zeitgenosse ganz unkritisch beim Ukrainer bestellt hat?
Das wären mal Neuigkeiten gewesen.
Und respektlose Nachfragen.
Am 1. Februar 2007 um 10:50 Uhr
Einer der obersten Grundsätze des Springer Verlags ist ja das Existenzrecht Israels.
Da wären solch fiese, antisemitische Nachfragen sicher geahndet worden.
Am 1. Februar 2007 um 11:33 Uhr
Es wurde durchaus an diesem Abend auch darüber gesprochen. Und Herr Friedman hat Fragen zu diesem Thema sehr ehrlich beantwortet.
Allerdings geht es hier ja um Medien.
Daher sind sein Interview-Stil und seine Einschätzungen als Journalist viel spannender.
Am 1. Februar 2007 um 14:55 Uhr
das “problem” ist, dass friedman diese “respektlose” frage nach koks und nutten ja nicht das erste mal gestellt bekommen hat. bisweilen war es doch ein richtiger wettbewerb unter journalisten, wer sich ihm die respektLOSESTE frage in diesem zusammenhang zu stellen traut.
im gespräch mit friedman erfindet man das (gesprächs-)rad nicht neu, leider. aber man lernt viel über den produktionsvorgang.
Am 28. Oktober 2007 um 11:49 Uhr
[...] Die Journalistenschüler der Axel Springer Akademie haben sich in ihrer Ausbildung intensiv mit solchen Themen zu beschäftigen, nicht zuletzt in mehreren Seminaren mit Presserechtlern, mit erfahrenen Journalisten aus dem Haus wie von außen, etwa mit Ilka Desgranges vom Presserat oder mit Thomas Leif vom „Netzwerk Recherche“. Unser Ziel ist es, dass die jungen Kollegen ein Gespür entwickeln und ihren inneren Kompass finden, weil das so wichtig für journalistische Arbeit ist. Deshalb thematisieren und diskutieren wir die Problematik sehr oft. Nicht nur in Seminaren, sondern beispielsweise auch in der täglichen Blattkritik oder gerade wieder in der Gesprächsrunde mit Michel Friedman. [...]