18.1.2007

“Wenn der Tiger nicht mehr beißt”

Menso Heyl, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, erklärte den Studenten der Axel Springer Akademie, was es bedeutet, Marktführer auf dem Hamburger Zeitungsmarkt zu sein, wieso Frauen besser über Sex-Themen berichten, und weshalb er innerhalb weniger Tage eine Sonntagszeitung auf den Markt bringen durfte. Alexander Holzapfel berichtet:

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Menso Heyl im Gespräch / Foto: Anna Gretemeier

„Augen auf, Ohren auf, aber vor allem auch: Herz auf!“ Diese Maxime ist für Menso Heyl (57) Bedingung für guten Lokaljournalismus und in gewisser Weise das Erfolgsgeheimnis des Blattes, dessen Chef Menso Heyl seit 2001 ist. „Unsere Mannschaft ist eine große Farbpalette menschlicher Möglichkeiten. Unser Ziel ist, möglichst viele verschiedene Farben bei uns zu haben.“ Nur so könne ein Blatt sein eigenes Profil schärfen.

Gefragt, wie sich Frauen und Männer im Job unterscheiden, sagte Heyl: Es gebe durchaus bei vielen Themen eine unterschiedliche Herangehensweise. Frauen hätten eine andere Sensibilität, etwa wenn es um problematische Fälle wie Pädophilie oder sexuelle Gewalt gehe, da lasse er lieber Frauen schreiben. „Die gehen damit anders um.“ Zugleich bedauerte der Chefredakteur, beim Abendblatt noch keine Frau im Bereich Chefredaktion zu haben. Heyl sagte weiter: „Vor allem die jungen Kolleginnen interessieren sich eher für soziale Themen. Das ist gut und wichtig. Aber noch besser wäre es, wenn sie genau so stark in andere Felder vordrängen.“

Die Zukunft der Zeitung sieht Heyl optimistisch. „Ich bin mir sicher, dass es auch in 30 Jahren noch Tageszeitungen gibt. Wenn auch in kleinerer Auflage und mit weniger Einnahmen.“ Auf eine Veränderung im Mediengeschäft musste das Abendblatt bereits im vergangenen Herbst reagieren. Die Hamburger Morgenpost kündigte den Start einer Sonntagszeitung an. Dann wurde es hektisch.

„An einem Mittwoch um 17 Uhr rief mich unsere Verlagsgeschäftsführung an. Am übernächsten Sonntag sind wir erschienen. Mit einem jungen, modernen und auch etwas weiblicheren Produkt.“ Diese neue Sonntags-Ausgabe sei mit enormen Kraftanstrengungen verbunden. Aber dem Abendblatt sei zur Verteidigung des wichtigsten Marktplatzes des Verlages keine andere Wahl geblieben: „Wenn der Tiger nicht mehr beißt, dann kommen die Kojoten.“

Autor: jep Kategorie: A bis Z, Medienmacher zu Besuch | Keine Kommentare »

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